KZ Dachau-Allach: "Auf der Flucht erschossen!"

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„Vom Erzählen durch Häftlinge an deren Namen ich mich momentan nicht erinnere, ist mir bekannt, daß
der SS-Mann Eberle eigenhändig mit der Pistole einen Polen mit Namen Dobko erschoss, der aus Lodz stammte. Ich selber sah die Leiche des Dobko seitlich des Ausgangtores beim Appellplatz liegen. Der Häftling Dobko war aus dem Block VI, in welchem ich auch war. Der Häftling Dobko wurde, wie Häftlinge erzählten, auf der Flucht aus dem Lagertrakt erschossen.“ 1) Anders der ehemalige Häftling Karl Krämer. Nach seiner Darstellung war  Dobko Schutzhaftgefangener und arbeitete seit April 1943 als polnischer "Zivilarbeiter" im BMW-Flugmotorenwerk Allach. Er stammte aus Wietlina im Kreis Jaroslau, das seit Anfang 1942 zum Generalgouvernement gehörte. Nach seiner Aussage lässt sich der "Tathergang" der „Flucht“ etwas genauer nachvollziehen. Demnach wurde Dobko im Verlauf eines willkürlich vom stellvertretenden Lagerkommandanten Eberl herbeigeführten Streites ermordet. „Eberl schrie daraufhin den Polen an und gab ihm sinngemäß zu verstehen, daß dort der Draht sei und er könne nun über diesen abhauen. Eberl trieb nun den polnischen Häftling vor sich her in Richtung zum elektrisch geladenen Draht zwischen der Arbeitseinsatzbaracke und dem Turm. Zu diesem Zeitpunkt hatte Eberl bereits seine Pistole gezogen. Als sich der Pole etwa in Höhe der Arbeitseinsatzbaracke befand, blieb dieser stehen und ich hörte, wie er sinngemäß schrie: „Ich knall dich ab!“.Gleich darauf vernahm ich mindestens zwei Schüsse und der Pole stürzte zu Boden. Soweit ich mich heute noch erinnern kann, befand sich Eberl etwa drei Meter hinter dem Polen, als er auf diesen schoß. Mir ist es heute nicht mehr möglich zu sagen, ob der Pole von Eberl von hinten erschossen wurde. Ich selbst ging zu diesem Zeitpunkt zum Lagertor. Es könnten auch mehrere Meter gewesen sein. Der Pole lag reglos am Boden. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob er auf dem Bauch oder auf dem Rücken lag. Den Abtransport der Leiche durch Angehörige des Reviers habe ich nicht mehr gesehen. Nachdem ich Augenzeuge dieser Tötung war, kann ich meine bisher gemachten Angaben jederzeit vor Gericht wiederholen und beeiden, denn eine Verwechslung, daß ein anderer als Eberl geschossen hat, ist ausgeschlossen.“ 2) Trotz dieses Augenzeugenberichts wurde Eberl wegen Mordes an Iwan Dobko nie angeklagt!

 













 

















 




Letzte Bearbeitung: 03.11.2017, 10:58
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