KZ Dachau-Allach: Flucht

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Aus dem KZ-Außenlager Dachau-Allach zu fliehen war schwierig aber nicht unmöglich. Nur ein Viertel der über 50 Fluchten aus diesem Lager gelang.

Betrachtet man diese Fluchten genauer, fällt daran besonders der hohe Anteil russischer und deutscher Häftlinge auf. 30 Häftlinge, also über die Hälfte der nachweislich Geflüchteten, stammten aus der Sowjetunion, weitere 9 Häftlinge aus dem Deutschen Reich. Der Rest setzte sich aus Polen, Franzosen, Italienern, einem Griechen sowie einem deutschen und tschechischen "Zigeuner" zusammen. Auffällig auch, dass sich kein einziger Jude unter den Geflüchteten fand.

Wie hoch an den sowjetischen Flüchtigen der Anteil der Kriegsgefangenen war, läßt sich nicht mehr eindeutig bestimmen. Ein Teil der Gefüchteten sowj. KZ-Häftlinge waren "Ostarbeiter". Wir wissen, dass darunter mindestens acht sowj. Kriegsgefangene waren.

Die sowj. Kriegsgefangenen im KZ-Häftlinge waren meist vorher aus der Obhut der Wehrmacht entlassen worden, anschließend an die Gestapo und SS übergeben und meist über die Konzentrationslager in das KZ Außenlager Dachau-Allach oder auch andere Außenlager eingewiesen worden. Vorher waren sie zu „Russischen Zivilarbeitern umdeklariert“ worden. Ahnlich erging es den italienischen Kriegsgefangenen nach dem 9. September 1943: Sie wurden „italienische Militärinternierte“. Nach diesem „Verwaltungsvorgang“ - Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, Überstellung an die Gestapo und Einweisung in das KZ-Außenlager, der praktisch an „einem  Schreibtisch“ in einem Zimmer stattfand - wurden diese Kriegsgefangenen als KZ-Häftlinge sofort wieder in der Rüstungsindustrie (BMW) eingesetzt. Damit war auch die Übergabe der disziplinarischen Gewalt über diese Häftlinge von der Wehrmacht auf die SS erfolgt. Für die Kriegsgefangenen, die bereits vorher in die KZ eingewiesen worden waren, bedeutete diese „Umwidmung“ eine Verschlechterung ihrer Situation. Sie waren damit vollends der Willkür der SS ausgesetzt. 

Schon die Fluchtvorbereitungen mussten sehr vorsichtig geschehen. Im Lager gab es Spitzel, die der SS schon gegen kleine Vergünstigungen die Pläne verrieten. Bei Flucht wurden die Häftlinge nach Dachau überstellt und vernommen. Berichten zufolge verliefen diese „Vernehmungen“ meist immer gewaltsam, einige Häftlinge starben wenige Tage nach ihrer Vernehmung. 

Eine Flucht ohne Hilfe der Mitgefangenen oder von Aussen durchzuführen war nahezu unmöglich. Die Häftlinge mussten sich Zivilkleidung besorgen. Selbst wenn dies gelang, konnten sie sich durch ihren „Lagerstraßenhaarschnitt“, ihr übriges Erscheinungsbild oder ihre Sprache verraten. Auch konnten sie nicht oder nur mit wenig Unterstützung aus der Bevölkerung rechnen. Im Gegenteil, die Bevölkerung war auf der Seite des NS-Regimes, viele Flüchtige KZ-Häftlinge wurden nur mit ihrer Hilfe gefasst. Auch das Problem des Essensbeschaffung war ausserhalb des Lagers nur mit Hilfe von Außen oder durch „Diebstahl“ zu lösen. Direkt aus dem Lager zu fliehen war fast unmöglich, „Schwachstellen“ waren der Weg zum Arbeitseinsatz sowie der Arbeitseinsatz selbst. So berichtete der ukrainische Häftling Nicolai Choprenko von zwei russischen Mitgefangenen, denen die Flucht durch den Abasserkanal von BMW zunächst gelungen, allerdings später wieder gefasst wurden. Wieder ergriffene Häftlinge mussten in das das KZ-Dachau überstellt werden. Auf dem Rückenteil ihres „Zebraanzugs“ wurde ein „Fluchtpunkt“ aufgenäht und die Haftart änderte sich in NA oder NAL. Dies war die Abkürzung für „Nicht Außenkommando“ und „Nicht Außenlager“. Zwei Häftlingen aus einem landwirtschaftlichen Arbeitskommando in Feldmoching gelang erfolgreich die Flucht. Zuvor hatten russische Fremdarbeiter auf dem Feldmochinger Friedhof Kleidung und Essen deponiert. War eine Flucht entdeckt, rückte sofort ein Suchtrupp aus. Bei der Suche und Ergreifung der Flüchtigen war meist auch immer die Zivilbevölkerung beteiligt.

 

Letzte Bearbeitung: 27.05.2018, 19:39

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