Das SS-Kranken- und Quarantänelager und das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld

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In einem „zweiten“ und „dritten“ Bauabschnitt entstand von Herbst 1943 bis zum Frühjahr 1944 das „Kranken- und Quarantänelager“ sowie bis Juli 1944 das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld als sogenanntes Judenlager. Diese Erweiterungen entstanden als Steinbaracken und wurden von jüdischen KZ-Häftlingen errichtet. Erste Arbeitsnachweise über den Bau dieses Lagers tauchen ab 17. Mai 1944 auf. An diesem Tag wurden 25 KZ-Häftlinge aus Dachau als „Baukommando“ nach Allach überstellt. Die Häftlinge waren als Bauhilfsarbeiter deklariert. 19 KZ-Häftlinge davon wurden wegen ihres schlechten Zustands am 30. Mai 1944 als „nicht einsatzfähig“ nach Dachau zurückgebracht. In den nachfolgenden Tagen wurden 849 jüdische Häftlinge aus Auschwitz und Warschau über das Außenlager Dachau-Rothschwaige nach Allach verlegt, um dort die Steinbaracken des Lagers zu errichten. Ein Zeuge: „Wir gingen zu Fuß nach Allach, wo wir nur den Zaun gefunden haben und (...) wurden zunächst unter freiem Himmel untergebracht. Die fachliche Aufsicht hatten O.T.-Angehörige, die Bewachung erfolgte durch Wehrmachtsangehörige und SS.“

Lagerbelegung O.T.-Lager ab Juli 1944

Mit dem Bau des SS-Kranken- und Judenlagers verdoppelte sich die Größe des Außenlagers. In 8 Steinbaracken hausten Ende November 1944 über 1.350 jüdische K-Häftlinge, die überwiegend aus Ungarn und Rumänien stammten. Sie wurden nahezu ausnahmslos in den BMW-Baukommandos und in der Landwirtschaft eingesetzt. Haupteinsatz war der Bau des BMW-Hallenbunkers. Allein im Wintermonaten 1944/45 starben auf dieser Baustelle über 120 jüdische Häftlinge. Für Juden gab es weder Höchstarbeitszeit noch Sonntagsruhe. So wurden sie Sonntags z.B. zu Erntearbeiten bei den Feldmochinger Bauern oder in der KZ-eigenen „Lagergärtnerei“ eingesetzt.

Lagerkommandant war SS-Obersturmbannführer Josef Jarolin. (Er war auch Kommandant des KZ-Aussenlagers Dachau-Allach und des O.T.-Lagers Rothschwaige - vormals Durchgangslager). Über dem Tor des Lagereingangs befand sich ein Schild mit der Auf-
schrift: „O.T.-Lager Allach Karlsfeld“. Lagerführer war von Juli 1944 bis Dezember 1944
SS-Hauptsturmführer Leonhard Meyer, danach kam für kurze Zeit Georg Busch, dem ab Februar 1945 bis Kriegsende SS-Hauptsturmführer Jellinek folgte.
Das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld war zunächst ein rein jüdisches Männerlager und nach dem Vorbild des KZ-Dachau organisiert. Intern sorgten die Häftlinge (Lager-, Blockältester, -schreiber und Kapos) für die Aufrechterhaltung der „Ordnung“.
In einer „letzten Meldung“ vom 14.4.1945 wurde die Lagerbelegung des Lagers mit etwa 700 Häftlingen angegeben.

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