Das KZ-Außenlager Dachau-Allach

Seite
Menü

Geplant für zunächst ca. 2.700 KZ-Häftlinge, entstand ab Herbst 1942 in einem ersten „Bauabschnitt“ auf einem Ackergelände östlich der Dachauer Straße gegenüber dem BMW-Werk Allach das KZ-Außenlager Dachau-Allach mit Kanalisation, Wegen, 22 Wohn-, einer Kranken- und Arbeitseinsatzbaracke, sechs Sanitärbaracken sowie dem SS-Wachlager. Das Lagerareal Haupteingang 1944hatte eine Größe von ca. 6,25 ha und war 255 Meter breit und 230 Meter lang. 12 der 22 „Pferdestallbaracken“ wurden ab Januar 1943 vom Kommando BMW-Bau- und Fertigung als KZ-Baracken genutzt. Um jedwede Flucht zu verhindern, wurde der Weg zum BMW-Werk ab Herbst 1943 mit  Maschen- und Stacheldrahtzaun („Hühnerkäfig“) gesichert. Die SS-Bewacher liefen mit ihren Hunden außerhalb des Zauns. Hintergrund für diesen Wegebau waren die zunehmenden Fluchten der KZ-Häftlinge sowie der Personalmangel bei den SS-Wachmannschaften. Zweimal täglich marschierten die KZ-Häftlinge diesen Weg in Fünferreihen. Alle Baracken hatten ein Maß von ca. 10 x 41 Meter. Ende Dezember 1943 war das Lager mit ca. 4.000 KZ-Häftlingen bereits überbelegt. Auf 400 m2 hausten bis zu 250 Mann. An beiden Barackenenden befand sich jeweils eine Kammer für die Funktionshäftlinge: den Blockältesten und seinen Blockschreiber, im hinteren Teil für die Kapos und Hilfskapos.

Die KZ-Häftlinge schliefen auf zweistöckigen, zum Teil durchgehenden Pritschen auf Papierstrohsäcken. „Es gab genug Ritzen, durch die man hindurchsehen konnte, wie das Wetter war. Im großen Raum musste tagaus und tagein Licht brennen, weil kein Tageslicht hineinkam. An den Wänden standen die Betten zweistöckig hintereinander und in der Mitte standen Tische und Bänke [in] einer Reihe. Die Baracken waren nach nationalen Gruppen belegt. In der Nacht wurden die Bänke auf die Tische gestellt, weil für die drei großen Kübel Platz gemacht werden musste. In der Nacht durfte keiner den Block verlassen, denn sonst wurde gleich geschossen.

Der Bau des sich nördlich anschließenden SS-Wachlagers zur Unterbringung von etwa 600 - 800 Wachsoldaten war Anfang Januar 1943 abgeschlossen.

Nachweise des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes (WVHA) bestätigen ab März 1943 eine Lagerbelegung in Allach mit über 2.100 KZ-Häftlingen. Auffallend an der Lagerbelegung in Dachau-Allach ist der hohe Anteil sowjetischer KZ-Häftlinge, deren Anteil Anfang 1944 über 2.000 Häftlinge ausmachte. BMW-Intern wurden alle KZ-Häftlinge als Lohnempfänger („Gefolgschaftsmitglieder“) geführt. Die Häftling waren von der SS an BMW vermietet.

Der Lagerbetrieb des KZ-Außenlagers Dachau-Allach begann Mitte Januar 1943 mit einer Katastrophe: Eine Typhusepidemie brach im Lager aus, die von ankommenden Häftlingen aus anderen Lagern eingeschleppt worden war. Da das Hauptlager in Dachau unter Quarantäne stand, wurden die Häftlingstransporte aus anderen Lagern direkt nach Allach umgeleitet und erst später in Dachau nachregistriert. Bis Ende Mai 1943 waren 78 Todesopfer festgestellt, davon starben 25 an TBC, 53 KZ-Häftlinge an Typhus. Eine solche Katastrophe sollte sich im Lager bis Kriegsende 1945 noch einmal wiederholen. Sie zeigt auch, dass von Anbeginn die hygienischen und medizinischen Verhältnisse innerhalb des Lagers extrem schlecht waren.

 

Letzte Bearbeitung: 25.08.2021, 15:20

weiter zu:

Seitenanfang nächste Seite »
Seite
Menü
Powered by CMSimple | Template by CMSimple | Login