Klaus Mai

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Die Befreiung des KZ-Außenlagers Dachau-Allach erfolgte am 30. April 1945 gegen 11 Uhr morgens, nachdem amerikanische Soldaten in der Nacht zuvor die östlich des Lagers gelegene schwere Flakstellung 1s/457 niedergekämpft hatten. Sie war bis zuletzt u.a. von Jugendlichen des Volkssturms (Hitlerjungen unter Führung der SS) besetzt gewesen. „Aber jetzt sind da Männer, die wie Verrückte durch das Lager laufen... Sie zeigen mit den Fingern auf ein khakifarbenes Gewimmel: Soldaten, halb gebückt, halb kriechend, unter der nahen Eisenbahnbrücke (...) Sie stehen auf, kommen aus dem Schatten, breiten sich in Schützenlinie aus, die Gruppe kommt im Laufschritt auf das Lager zu. Ein amerikanisches Freikorps (...) Ein einziger Schrei: ‚Da sind sie! (...) Da sind sie! (...)‘ Es ist wie ein Rausch vor den Blocks (...) Es wird gelacht, geweint, umarmt (...) Man umarmt die Befreier, umringt sie so, dass sie fast ersticken. Jeder will sie anfassen, um sicher zu gehen, dass er nicht träumt. Es sind fast noch Kinder, die sich jetzt sprachlos anschauen und mit weit aufgerissenen Augen auf diese unbeweglichen Haufen blicken. Die Leichenhaufen. (...) In den Krankenblocks versuchen die Häftlinge aufzustehen. Die meisten fallen wieder hin, reglos, manche überwältigt vor Freude. (...) Als einige amerikanische Offiziere völlig bestürzt und schweigend ob dieses entsetzlichen Schauspiels die Blocks betreten, finden sie eine unfassbare Parade von lebenden Skeletten in Habachtstellung. Auf den Matratzen weinen einige, ihre mageren Schultern beben vor lauter Schluchzen (...) Sie weinen über diese Freiheit, die sie so lange erhofft hatten und die sie heute nur erlangen, um zu sterben (...)“.