Der BMW-Hallenbunker: Über 120 jüdische Opfer in 2 1/2 Monaten

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Ein Häftling berichtet: "Während meines Aufenthaltes im Lager Dachau - Kommando Allach wog ich 38,5 kg. Ich war am Ende meiner Kräfte. Kollegen sagten mir jedoch, ich solle mich nicht in das Revier begeben, denn ich könnte dort ermordet werden. Von den Erzählungen anderer Häftlinge erfuhr ich, dass Häftlinge im Revier durch Injektionen von Leicht-Benzin und Phenol getötet werden - diesbezüglich kenne ich weder die Namen der Opfer noch irgendwelche Einzelheiten. Unter den Häftlingen kursierte das Gerücht, dass im Dachauer Lager der Plan von Massentötungen von Häftlingen vorhanden war. Es wurde auch davon gesprochen, dass die Entscheidung zur Ermordung von Häftlingen durch Spritzen vom Lagerkommandanten selbst getroffen wurde."

Wer ernsthaft länger (mehr als 3 Monate) krank wurde und im Lager blieb, galt als nicht mehr "einsatzfähig". Häftlinge aus Allach berichteten über mehrere "Selektionen" durch den Lagerarzt Dr. Hintermayer. Mehrfach wurden 1943/44 nicht mehr einsatzfähige Häftlinge zu einem „Invalidentransport“ (Aktion 14 f 13) zusammengestellt, über Dachau nach Auschwitz oder Hartheim (bei Linz in Österreich) gebracht und dort ermordet.

Wie lange überlebten die kranken Allacher Häftlinge im KZ Dachau? Dazu wurden insgesamt 1394 Todesfälle des KZ-Außenlagerkomplexes - also des SS-Arbeitslagers sowie der O.T.-Lager Allach-Karlsfeld und O.T.-Lager  Rothschwaige („Judenlager“) - ausgewertet. 1
Alle Häftlinge hatten im KZ-Außenlagerkomplex Dachau-Allach bei BMW ihren letzten Arbeitseinsatz bzw. wurden von dort direkt nach Dachau überstellt. Von den 1394 Häftlingen waren 366 direkt in Dachau-Allach ermordet worden. Die übrigen Morde geschahen durch „Vernichtung durch Arbeit“, die hier über fünf Kriterien definiert wird:

  1. unmenschliche Arbeitsbedingungen (physisch/psychisch, kaum Ruhetage, 12 Stunden Arbeitstag
  2. ungenügende Ernährung (ca. 900 Kalorien/Tag)
  3. katastrophale hygienische Bedingungen (Waschen, Kleidung, Wasser, Unterkunft, etc.
  4. minimale medizinische Behandlung (Versorgung nur leichter Krankheiten und Verletzungen
  5. bestialische Behandlung durch Bewacher (SS, Kapos, Strafen 2)

Überlebensdauer nach Monaten:

Herkunft/Nationalität Im Lager direkt verstorben In Dachau nach 1 Monat In Dachau nach 2 Monaten In Dachau nach 3 Monaten In Dachau nach 4 Monaten Gesamt
Albanien 1   5     6
Belgien 1 2   1 3 7
Bulgarien 1     1   2
Deutsches Reich 1 7 13 8 11 3 42
Estland     1     1
Frankreich 45 35 50 24 20 174
Griechenland   1 4     5
Italien 21 41 57 27 18 164
Jugoslawien 8 12 11 6 8 45
Lettland 1         1
Lothringen/Elsaß 1 1 1 2 1 6
Luxemburg     2     2
Niederlande 10 13 9 9 4 45
Norwegen     1 1   2
Polen 18 11 12 17 8 66
Sowjetunion 17 24 27 11 4 83
Spanien 3 2 6 1   12
Staatenlos   1 1 1   3
Ungarn 219 42 27 14 9 311
Volksdeutsche         1 1
Tschechoslowakei 1 3 2 1   7
Unbekannt 12         12
Gesamt 366 201 224 127 79 997
Größte Opfergruppe waren die ungarischen Juden, gefolgt von Franzosen, Italienern, Russen und Polen.
_________________
1 Vgl. KZGSD Archiv, Diese Auswertung beruht auf einem Datenbankausdruck vom 12.12.2016 über die im KZ-Dachau verstorbenen Häftlinge aus dem Außenlager Allach durch Albert Knoll. 
2 Zu den Strafen vgl. BArch NS4-FL-391, Strafverfügungsformular für Konzentrationslager von 1943.

 

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