Wie lange überlebten die nach Dachau in das Krankenrevier überstellten Allacher Häftlinge? Dazu wurden insgesamt 1.394 Todesfälle im Zeitraum ab Mitte Juli 1944 bis 30. April 1945 aus dem SS-Arbeitslager, dem O.T.-Lager Allach-Karlsfeld und O.T.-Lager Rothschwaige („Judenlager“) ausgewertet. 1) Alle Verstorbenen hatten bei BMW ihren letzten Arbeitseinsatz bzw. wurden von dort vor ihrem Tod in das Krankenrevier des KZ-Dachau überstellt. Von den 1.394 Häftlingen starben 366 direkt im KZ-Außenlager Dachau-Allach während ihrer Arbeit am Hallenbunker oder im Lager.
„Vernichtung durch Arbeit“ war gekennzeichnet durch:
1. unmenschliche Arbeitsbedingungen (physisch/psychisch, kaum Ruhetage, 12 Stunden Arbeitstag)
2. ungenügende Ernährung (ca. 900 Kalorien/Tag)
3. katastrophale hygienische Bedingungen (Waschen, Kleidung, Wasser, Unterkunft, etc.)
4. minimale medizinische Behandlung (Versorgung nur leichter Krankheiten und Verletzungen)
5. bestialische Behandlung durch Bewacher (SS, Kapos, Strafen) 2)
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Lebenserwartung der Häftlinge aus dem KZ-Außenlagerkomplex Dachau-Allach, d.h. wieviel Häftlinge wie lange, nach Eintritt einer „schweren“ Krankheit, Unfall, Strafe oder willkürlichen brutalen Behandlung nach ihrer Überstellung in das Krankenrevier Dachau, noch lebten:
Sterberate/Überlebensdauer (Monate) der KZ-Häftlinge bei BMW und im KZ-Außenlager Dachau-Allach sowie bei Krankheit nach ihrer Überstellung in das Krankenrevier des KZ-Dachau.
Herkunft
BMW/Lager
1 Monat
2 Monate
3 Monate
4 Monate
Gesamt
Albanien
1
5
6
Belgien
1
2
1
3
7
Bulgarien
1
1
2
Deutsches Reich
7
13
8
11
3
42
Estland
1
1
Frankreich
45
35
50
24
20
174
Griechenland
1
4
5
Italien
21
41
57
27
18
164
Jugoslawien
8
12
11
6
8
45
Lettland
1
1
Lothringen/Elsaß
1
1
1
2
1
6
Luxemburg
2
2
Niederlande
10
13
9
9
4
45
Norwegen
1
1
2
Polen
18
11
12
17
8
66
Sowjetunion
17
24
27
11
4
83
Spanien
3
2
6
1
12
Staatenlos
1
1
1
3
Ungarn
219
42
27
14
9
311
Volksdeutsche
1
1
Tschechoslowakei
1
3
2
1
7
Unbekannt
12
12
Gesamt
366
201
224
127
79
997
Fazit: Die Angst vieler Allacher Häftlinge bei schwerer und längerer Krankheit zum Sterben nach Dachau gebracht zu werden, war keine Fiktion. Im Krankenrevier des KZ-Außenlagerkomplexes Dachau-Allach wurden nur „Leichtkranke“ - d.h. Häftlinge, die innerhalb von drei Monaten wieder Arbeitseinsatzfähig waren - behandelt.
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1) Vgl. KZGSD Archiv, Datenbankausdruck vom 12.12.2016 durch Albert Knoll. Für alle hier untersuchten Todesfälle lagen die Sterbeurkunden vor.
2) Zu den Strafen vgl. BArch NS4-FL-391, Strafverfügungsformular für Konzentrationslager von 1943 und Lagerordnung.
