Auch die Insassen zivilen und militärischen Strafgefangenenlager und Gefängnissen wurden in der Landwirtschaft, der Bau-, und Rüstungsindustrie zur Zwangsarbeit herangezogen. Vorwiegend handelte es sich um Deutsche. Die Gesamtzahl der zur Zwangsarbeit herangezogenen deutschen Strafgefangenen lag geschätzt bei ca. 200.000. So wurden „kriminelle“ Strafgefangene aus dem Münchner Gefängnis Stadelheim direkt nach Dachau bzw. in das KZ-Außenlager Dachau-Allach überstellt. Sie wurden im Lager überwiegend als Kapos eingesetzt, galten als besonders roh und brutal. Ihre Winkelfarbe war Grün, die Häftlinge sprachen von den „Grünen“.

Innerhalb des „BMW-Wohnlagers Karlsfeld“ befand sich das „Strafgefangenenlager der SS und Polizei“, in dem sich zeitweise über 1.000 SS-Strafgefangene befanden. Alle SS-Strafgefangenen trugen auf dem Rücken und an den Hosenbeinen ein aufgemaltes oder aufgenähtes „Z“, das für Zuchthaus stand. Wie die KZ-Häftlinge mussten auch die SS-Strafgefangenen an 6 Wochentagen im Zweischicht betrieb jeweils 12 Stunden im Flugmotorenwerk arbeiten. Die Sträflinge wurden täglich von SS-Wachen mit Hunden und Karabinern zur Arbeit getrieben. Am Wochenende wurde auf dem Platz hinter dem Lager strafexerziert. Bereits kleinste Vergehen reichten aus, um in das Dachauer Straflager zurückverlegt oder drakonisch bestraft zu werden. Für die Lagerinsassen galten besonders scharfe Bestimmungen. So wurden die Häftlinge militärisch gedrillt, das Rauchen sowie die Auslieferung von Paketen an sie war verboten. Auf Ausbruchsversuch und Befehlsverweigerung stand die Todesstrafe. Beinahe jede Woche kam es im Lager zu Exekutionen. Zwischen den beiden Häftlingsgruppen gab es innerhalb des Werkes wenig Berührungen.

 
 
Letzte Bearbeitung: 11.01.2022, 10:29