Modell des Allacher Werks von 1941 in der Endausbaustufe ohne „Hallenbunker”. Bild: BMW-history group, Foto: Klaus Mai.
„Aus kriegswichtigen hier nicht näher zu erörternden Gründen, hat der Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei am 14. Dezember 1942 befohlen, dass bis Ende Januar 1943 mindestens 35.000 arbeitsfähige Häftlinge in die Konzentrationslagereinzuweisen sind. Um diese Zahl zu erreichen, ist folgendes erforderlich: (...) Ab sofort (...) werden Ost- oder solche fremdländischen Völker, welche flüchtig gegangen oder vertragsbrüchig geworden sind und nicht den verbündeten oder befreundeten Staaten angehören (...) auf dem schnellsten Wege in die Konzentrationslager eingeliefert. Dritten Dienststellen muß gegebenenfalls jede einzelne dieser Maßnahme als unerläßliche sicherheitspolizeiliche Maßnahme unter entsprechender sachlicher Begründung aus dem Einzelfall heraus dargestellt werden, so daß Beschwerden vermieden, jedenfalls aber ausgeräumt werden.“ 1)
Ab Dezember 1942 wurden zunehmend Fremdarbeiter aus den jeweils besetzten Gebieten in Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzungstruppen, SS, der Wehrmacht, Gestapo und der SiPo von den Bahnhöfen direkt in die deutschen Konzentrationslager überstellt. 1) Ihr Transport in das „Reich“ erfolgte mit der Deutschen Reichsbahn. Ost- oder fremdvölkische Arbeiter, die vertragsbrüchig wurden - hierzu zählte mehrmaliges Zuspätkommen oder Flucht - wurden häufig mit Arbeitslager oder KZ-Haft bestraft. Auch die Einforderung nach Herstellung bei der Anwerbung gegebener Versprechen in den Lagern wurde vom NS-Regime als Sabotage gewertet. 2) Ab März 1943 ordnete das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) an, dass „(...) sowjetrussische Zivilarbeiter, Ostarbeiter (...) aus den Konzentrationslagern (...) mit „Rücksicht auf die Sicherung der in den Konzentrationslagern laufenden Rüstungsproduktionen“ nicht mehr zu entlassen sind. 3) Ende 1944 arbeiteten über 25.000 Fremd- und Zwangsarbeiter sowie etwa 5.800 KZ-Häftlinge bei BMW in München in den Werken in Milbertshofen und Allach. 4) Etwa 400 Fremdarbeiter waren außerhalb der Lager „zivil“ untergebracht. In den BMW-Lagern Karls- und Ludwigsfeld lebten bis zu 7.000 Arbeiter. Beide Lager galten als vorbildlich ausgestattet. Im Gespräch mit Hitler und Goebbels notierte sich Reichsjustizminister Thierack: „Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, daß Juden und Zigeuner schlechthin Polen, die etwa 3 bis 4 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hätten, Tschechen und Deutsche, die zum Tode, lebenslangen Zuchthaus oder Sicherungsverwahrung verurteilt wären, vernichtet werden sollten. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“ Zentrale für den jüdischen Häftlingseinsatz in der Rüstungsindustrie wurde ab dem Frühjahr 1942 das KZ-Auschwitz, aus dem ab Mitte 1944 jüdische Häftlinge als Zwangsarbeiter*innen direkt in das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld oder andere Lager überstellt wurden. 5) _______________________________
1) Geheimbefehl des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD an alle Befehlshaber vom 17.12.1942. Zitiert nach Marc Buggeln, Das System der KZ-Außenlager, S. 38. 2) Vgl. ebd. S. 37. 3) Vgl. ebd. Schreiben des SS WVHA, Amtsgruppe D (Liebehenschel), an die KZ-Kommandanten vom 26.3.1943. 4) Vgl. BMW-Group Archiv, UA 220. Im Herbst 1943 wurde nochmals Platz für 3.000 zusätzliche Betten in den BMW-Lagern für die Fremdarbeiter geschaffen. Grund waren die durch Luftangriffe zerstörten Barackenlager. Werksintern galten bis dahin die Lager Karls- und Ludwigsfeld als mustergültige Beispiele für die Unterbringung der Fremd- und Zwangsarbeitern, da sie über Sportstätten wie Fußballplatz, Aschenbahn, Kino und andere Gemeinschaftseinrichtungen verfügten. 5) ITS 1.1.6.1\0001-0189\0141\0064. Vgl dazu auch die Transportliste in: ITS 1.1.6.1\0001.0189\\0141\0028 ff.