„Wir gingen zu Fuß nach Allach, wo wir nur den Zaun gefunden haben. Mein Transport zählte etwa 3.000 Mann. Wir wurden vorerst unter freiem Himmel untergebracht und uns fiel die Aufgabe zu, das Lager Allach aufzubauen. Hinter dem Stacheldrahtzaun war ein Gefangenenlager für sowjetische Kriegsgefangene. (...) Wir haben aus Betonblöcken Behausungen für Häftlinge gebaut, in denen die Häftlinge in 3 etagenhohen Pritschen lagen. Die Lagerinsassen wurden zu Arbeitskommandos eingeteilt. Mir sind folgende Kommandos erinnerlich: Knoll-Kommando - laut dem Kapo Knoll benannt. Ich gehörte zu diesem Kommando. Wir hatten bei Eisenbahnarbeiten in Karlsfeld gearbeitet. Moll-Kommando 1) - laut der Firma, wo das Kommando arbeitete, benannt. Der Kapo hieß Zepp (oder ähnlich [Anm. Josef Zepf]) 2)).
Kommando Bunker - beschäftigt bei dem Bunkerbau in den BMW-Werken. Kommando Sager & Woerner - scheinbar laut der Firma benannt. Kommando Set-Fao-El [ZVL - Zentrales Verpflegungslager], wo jeder Häftling arbeiten wollte. (...) Als im Winter 1944 ein Leidensgefährte (...) sich von der Decke einen Streifen abschnitt, mit dem er seine Füße einwickelte. Dies tat er, damit er in den Holzschuhen, dessen Oberteil steifgefroren - den Fuß blutig rieb, weniger zu leiden hat. Der Häftling wurde bei der Kontrolle vor Abmarsch zur Arbeit aus der Reihe gezogen und stand den ganzen Tag im Frost im Lager. Als wir von der Arbeitsschicht zurückkehrten (...), wurden [wir] am Appellplatz belassen. Neben dem Lagertor stand der gestrafte Leidensgenosse mit einer Aufschrift auf der Brust: „Sabotage ist mein Tod“. Dann erschien der Lagerkommandant in Begleitung von 2 SS-Angehörigen mit 2 Hunden. (...) Die Hunde wurden dann auf den Häftling gehetzt. Sie warfen ihn zu Boden, ein Hund hat dem Leidensgenossen die Hoden abgebissen. Wir mussten stehend zusehen, bis der Arme verblutete. (...) Vom Hörensagen wusste ich auch von Toten im Bunkerkommando [BMW], wo auch tödliche Arbeitsunfälle vorkamen.“ 3)
Arbeitszeit: täglich 12 Stunden, davon 1 Stunde Pause (¼ Stunde Brotzeit, ¾ Stunde Mittag). Es gab eine Tages- und Nachtschicht, sonntags war frei. Anders die Bunkerbaustelle: dort arbeitete man zeitweise nur in einer Tagschicht (allerdings von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang). Die Bunkerbaustelle galt als Strafkommando. Jede Halle hatte 2 Arbeitskommandos.
Essen der Häftlinge: Zur „Brotzeit“ gab es 200g Wurst oder Margarine. Das Mittagessen bestand aus 1 Liter Kohl oder Steckrübensuppe. Das Essen wurde im Freien eingenommen: Otto Oertel: „Die Leute hockten auf dem steinernen Boden und löffelten ihre Suppe aus dem Blechnapf“. 4) Die Essenskübel wurden täglich von der Lagerküche zum Werk gebracht, die Zusatzverpflegung morgens beim Ausrücken mitgeführt.
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1) Elias Kaufmann, in: BayHstA München, Staatsanwaltschaften, 34817/1, Blatt 341 ff.
Die Baufirma Leonhard Moll produzierte Betonschwellen für Eisenbahngeleise und war für den Bau des sog. Moll-Gleises zuständig. Dieses Gleis führte vom Karlsfelder Baggersee („MolI-See“) nach Süden östlich an der Dachauer Straße über die Würm und überquerte vor dem BMW-Haupteingang die Dachauer Straße.
2) Josef Zepf, Hilfskapo im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, in: BayHstA München, Staatsabwaltschaften Blatt 347 f.
3) Vgl. Elias Kaufmann, in: BayHstA München, Staatsanwaltschaften, 34817/1, Blatt 341 ff.
4) Otto Oertel, Als Gefangener der SS, S.
