In einem „zweiten“ und „dritten“ Bauabschnitt entstand als KZ-Erweiterung von Herbst 1943 bis zum Frühjahr 1944 das „Kranken- und Quarantänelager“ sowie bis Juli 1944 das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld als sogenanntes Judenlager. Alle Erweiterungen entstanden als Steinbaracken und wurden von jüdischen KZ-Häftlingen errichtet. Erste Arbeitsnachweise über den Bau dieses Lagers tauchen ab November 1943 auf. An diesem Tag wurden 25 KZ-Häftlinge aus Dachau als „Baukommando“ nach Allach überstellt. Die Häftlinge waren als Bauhilfsarbeiter deklariert. 19 KZ-Häftlinge davon wurden wegen ihres schlechten Zustands am 30. Mai 1944 als „nicht einsatzfähig“ nach Dachau zurückgebracht. In den nachfolgenden Tagen wurden 849 jüdische Häftlinge aus Auschwitz und Warschau über das Außenlager Dachau-Rothschwaige nach Allach verlegt, um dort die Steinbaracken des Lagers zu errichten. Ein Zeuge: „Wir gingen zu Fuß nach Allach, wo wir nur den Zaun gefunden haben und (...) wurden zunächst unter freiem Himmel untergebracht. Die fachliche Aufsicht hatten O.T.-Angehörige, die Bewachung erfolgte durch Wehrmachtsangehörige und SS.“ 1)
Mit dem Bau des SS-Kranken- sowie des O.T.-Lagers (Judenlager) vergrößerte sich das Allacher Außenlager um 16 Steinbaracken. Ende November 1944 hausten darin über 1.350 jüdische KZ-Häftlinge, die überwiegend aus Ungarn und Rumänien stammten. Sie wurden nahezu ausnahmslos in den BMW-Baukommandos und in der Landwirtschaft eingesetzt. Haupteinsatz war der Bau des BMW-Hallenbunkers. Allein im Wintermonaten 1944/45 starben auf dieser Baustelle über 130 jüdische Häftlinge. Für Juden gab es weder Höchstarbeitszeit noch Sonntagsruhe. So wurden sie Sonntags z.B. zu Erntearbeiten bei den Feldmochinger Bauern oder in der KZ-eigenen „Lagergärtnerei“ eingesetzt.
Lagerkommandant war SS-Obersturmbannführer Josef Jarolin. (Er war auch Kommandant des KZ-Aussenlagers Dachau-Allach und des O.T.-Lagers Rothschwaige - vormals Durchgangslager). Über dem Tor des Lagereingangs befand sich ein Schild mit der Aufschrift: „O.T.-Lager Allach-Karlsfeld“. Lagerführer war von Juli 1944 bis Dezember 1944 SS-Hauptsturmführer Leonhard Meyer, danach kam für kurze Zeit Georg Busch, dem ab Februar 1945 bis Kriegsende SS-Hauptsturmführer Müller folgte. Das O.T.-Lager Allach-Karlsfeld war zunächst ein rein jüdisches Männerlager und nach dem Vorbild des KZ-Dachau organisiert. Intern sorgten die Häftlinge mit der „üblichen KZ-Selbstverwaltung” (Lager-, Blockältester, Stubendienst, Block- und Lagerschreiber, Kapos und Hilfskapos, Lagerkommandos) für die Aufrechterhaltung der „Ordnung“. In einer „letzten Meldung“ vom 14.4.1945 wurde die Lagerbelegung des Lagers mit etwa 700 Häftlingen angegeben. 2) Kurz vor Kriegsende befanden sich eischließlich der Frauen etwa 2.700 jüdische Häftlinge im Lager, die über die Todesmärsche dort strandeten. 3) Das Lager hatte eine Besonderheit: Kapos und Fuktionshäftlinge wurden abends von Karlsfeld nach Rothschwaige gebracht. Sie lebten nicht in Allach-Karlsfeld. In den Steinbaracken des O.T.-Lagers Allach-Karlsfels gab es keine Kapostuben.
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1) Josef Zepf, Hilfskapo im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, in: BayHstA München, Staatsabwaltschaften Blatt 347 f.
2) ITS 1.1.6.0/
3)
