Klaus Mai

URL: kz-dachau-allach.de/?KZ-Aussenlagerkomplex_Uebersicht___Uebersicht

Bezeichnung:
KZ-Außenlager Dachau-Allach

Der Lagerkomplex bestand aus vier Lagern:

- SS-Arbeitslager Allach
- SS-Krankenlager Allach
- O.T.-Lager Allach-Karlsfeld (O.T. steht
  für Organisation Todt)
- O.T.-Lager Rothschwaige

Art der Lager: Firmenlager der BMW-Flugmotoren GmbH, erbaut ab Herbst 1942 zum „KZ-Werk Allach“ in drei Bauabschnitten. Neben Heinkel-Oranienburg das zweite "KZ-Werk" im Deutschen Reich, d.h. alle BMW-Zivilarbeiter in Allach sollten durch KZ-Häftlinge ersetzt werden. Geplante Stärke: 12.000 KZ-Häftlinge.

1. Bauabschnitt:
Baubeginn: SS-Arbeitslager ab 1942 (22 Wohnbaracken), SS-Wachlager ab Herbst 1942 (7 Holzbaracken, Bunker, Hundezwinger und andere kleinere Funktionsbaracken).

2. Bauabschnitt:
Baubeginn: SS-Kranken-/Quarantänelager ab Frühjahr 1944 (5 Steinbaracken).

3. Bauabschnitt:
Baubeginn: O.T.-Lager Allach-Karlsfeld ab Frühjahr 1944 - Judenlager - 12 Steinbaracken, davon eine Küchenbaracke. Ab November 1944 eine Krankenrevierbaracke.

Standorte des Lagerkomplexes:
Nebeneinander in München-Ludwigsfeld: O.T.-Lager und SS-Arbeits- und Krankenlager. Das O.T.-Lager Rotschwaige ab Juli 1944, lag etwa 6 Km nördlich von Ludwigsfeld.

SS-Arbeitslager Dachau-Allach: Betrieb: Januar 1943 - April 1945.

Bauweise:
Genormte Holzbaracken - „Pferdestallbaracken“ - mit Oberlichtern, Blockältesten- vorne und Kapostube hinten mit Fenster. Sanitär- und Waschanlagen außerhalb der Baracken. Desinfektionsbaracke außerhalb des Hauptlagers.

SS-Krankenlager: Frühjahr 1944 - April 1945.

Bauweise:
Steinbaracke in U-Form: gemauerte „Schlackebausteine“ auf Betonfundamenten mit Betonestrich und -fertigdach. Sanitär- und Waschanlagen innerhalb der Baracken. 4 Steinbaracken als Quarantänebaracken.

O.T.-Lager Allach-Karlsfeld: Juli 1944 - April 1945.

Bauweise:
Steinbaracken: gemauerte „Schlackebausteine“ auf Betonfundamenten mit Betonestrich und -fertigdach. Judenlager mit Höchstbelegung von 700 bis 1.450 meist ungarischer und rumänischer Juden. Sanitär- und Waschanlagen in 2 Baracken.

O.T.-Lager Rotschwaige: ehemals 1942 erbautes Fremdarbeiterdurchgangslager Desinfektion und Quarantäne. Ab Juni 1944 von der SS-übernommen bis April 1945 jüdisches Quarantänelager.

Bauweise:
genormte Holzbaracken.

Bauausführung aller Lager:
Bauleitung O.T., jüdische und deutsche KZ-Häftlinge unter Oberbauleitung der SS.

Lagerbetrieb SS-Arbeitslager von:
Januar 1943 bis 30. April 1945.

Lagerbelegung ab 1.1.1943:
zwischen 2.200 und 5.700 KZ-Häftlinge, in der Endphase ab April 1945 über 14.500 Häftlinge („Evakuierungsmärsche“), davon über 1.000 Frauen.

KZ-Häftlinge SS-Arbeitslager:
Höchstzahl Frühjahr 1944 ca. 5.700

KZ-Häftlinge Juden im O.T.-Lager:
Höchstzahl Winter 1944 ca. 1.380 Juden.

Nationalitäten im Lager:
Nach Stärke: Russen, Franzosen, Deutsche, Ungarn, Italiener, Polen und weitere 30 Nationalitäten.

Fertigungseinsatz:
Serienfertigung BMW-Flugmotor 801, 14 Zylinder luftgekühlter Doppelsternmotor in verschiedenen Ausführungen. Allein in der BMW-Motorenherstellung in Allach bis zu 57 KZ-Kommandos. 1944: 16.000 Beschäftigte, davon über die Hälfte Ausländer.

BMW-Baueinsatz:
Bunker- und Eisenbahnbau (BMW-Hallenbunker, „Mollgleis“, Bahnhof Karlsfeld, Lagerausbau).

Besonderheit:
BMW-Firmenlager, „KZ-Werk BMW“ (Eigentümer BMW, Betreiber SS). Anlernen von ca. 3.000 KZ-Häftlingen für andere BMW-Werke wie z.B. BMW-Eisenach-Dürrerhof oder BMW-Markirch.

KZ-Häftlinge in Dachau-Allach aus:
Buchenwald, Natzweiler, Sachsenhausen, Flossenbürg, Dachau, Groß-Rosen,  Wewelsburg, Auschwitz, Warschau, Lublin u.a. KZ.

KZ-Häftlinge von Dachau-Allach zur Arbeit nach:
KZ-Buchenwald, KZ-Außenlager Mühldorf, KZ-Kaufering, BMW-Eisenach, Natzweiler-Markirch, Kempten, Stefanskirchen, Trostberg, Dürrerhof, Hallein, Blaichach, Kaufbeuren, Immenstadt, Happurg, Mauthausen, Ebensee, usw.

Probleme bei BMW:
Arbeitskräfte-, Rohstoff- u. Maschinenmangel, Untertage-Verlagerung, Zulieferer, Bunkerbau, Bombardierung.

Lagerfläche Endausbaustufe:
ca. 255 x 460 m (ohne Wachbereich und Kiesgrube) ca. 6,5 ha.

Bewachungsmannschaften:
600 - 800 SS-Männer, in SS-Wachlager neben dem Lager, später ab 1944 400 Luftwaffensoldaten und Wehrmachtsangehörige.

Arbeitskommandostärke BMW:
Schichtstärke 1943: 1.500 KZ-Häftlinge bis Ende 1943: 2.000, Frühjahr 1944: ca. 2.500 Häftlinge in Tag-/Nachtschicht, 6 Tage pro Woche, 12 Stunden täglich, 72-Stundenwoche.

Arbeitskommandos Juden:
BMW-Baukommandos (Bunker- Gleis- und Strassenbaukommandos), Sonntagsarbeit bei den Feldmochinger Bauern in der Landwirtschaft.

Bezahlung/Verrechnung:
Facharbeiter: 6 RM/Tag, Hilfsarbeiter: 4 RM/Tag. Zahlung von BMW über die SS in den Staatshaushalt. Juden erhielten keine Bezahlung, die KZ-Häftlinge nur geringe Prämien.

Produktionsdauer des 801-Motors bei BMW-Allach:
Januar 1942 bis Ende Februar 1945.

BMW-Verkauf des Lagers:
29.3.1945 an den Reichsführer SS für 7,5 Mio. Reichsmark.

Todesmarsch von Allach:
Etwa 2.000 Häftlinge zu Fuß, ca. 2.700 Juden (1.755 Männer und 940 Frauen aus Allach) am 26.04.1945 per Bahn vom Bahnhof Karlsfeld Richtung Ötztal. Zug wurde in Staltach (bei Iffeldorf) befreit.

Häftlingsdurchsatz (Zu- und Abgänge):
1944 mindestens 32.000.

Verstorbene und ermordete Häftlinge:
über 1.500 Opfer namentlich nachgewiesen.

Befreiuung:
30.04.1945: 7. US-Army - 42th. Division („Rainbowdivision“).

„Typhusepidemien:“
1. Epidemie von Januar 1943 bis Mai 1943:
76 Tote.

2. Epidemie von Mitte April 1945 bis Ende Mai 1945: 297 Tote.

Lager wurde nach der Befreiung am 30.4.1945 bis Ende September 1945 geräumt.