Die BMW Flugmotoren GmbH

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Ende 1933 geschlossener Pachtvertrag Die 100%ige Tochterfirma der BMW AG, die „Flugmotoren Fabrik Allach GmbH“, befand sich seit dem 16. Oktober 1936 auf dem Gelände westlich der Dachauer Straße. 1) Als Reparaturwerk mit Montage- und Prüfständen diente es der Erprobung von Flugzeugtriebwerken. Vor allem Triebwerke der Baureihe BMW 132 K-N (seit 1933 in Lizenz gebauter Neunzylinder-Sternmotor vom Typ „Hornet B“ der amerikanischen Firma Pratt und Whitney) wurden vom Werk Milbertshofen auf Tiefladern nach Allach gebracht, dort getestet und wieder zurückgekarrt. Diese Arbeit wurde bis Kriegsanfang 1939 von etwa 600 Mitarbeitern bewältigt. 2) Im Herbst 1939 war das Werk an die reichseigene „Luftfahrt Anlagen GmbH“ verkauft und am 7. November 1941 von der „BMW Flugmotorenbau Gesellschaft mbH“ für 30 Mio. Mark zurückerworben worden. Diese für damalige Verhältnisse gewaltige Summe wurde BMW von der Bank der Deutschen Luftfahrt AG als Kredit 1941 vorgestreckt und 1945 zurückgezahlt. 4) Mit Bauantrag vom 2.2.1941 wurde BMW die Erweiterung der westlichen Hallenbauten Nummer 20 und 21 genehmigt. In diesem Bauplan war lediglich ein „Barackenlager“ westlich der Dachauer Straße neben dem Haupteingang eingezeichnet. Ab September 1941 wurde mit der Planung und dem „Bau zur Unterbringung von ausländischen Fertigungsarbeitern ...“ - sog. Fremd- und Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen - „gegenüber unserem Allacher Werke (...)“ begonnen, das im Plan vom 12.01.1941 als „Barackenlager I“ oder „Wohnstadt I“ eingezeichnet ist. Insgesamt rechnete BMW für das Werk Allach zu diesem Zeitpunkt mit einem zusätzlichen Bedarf von etwa 7.000 KZ-Häftlingen und Fremdarbeitern.  So entstand zunächst 1941 für etwa 3.000 Fremdarbeiter nordöstlich an der Dachauer Straße die „Barackenstadt I“, das „Lager Ludwigsfeld“. Es bestand aus mehreren zum Teil zweistöckigen Holzbaracken, die teilweise mit Wachtürmen versehen waren und überwiegend ausländische Zwangsarbeiter beherbergten. Fremdarbeiter - also ausländische Arbeiter mit Arbeitsverträgen - wohnten in der Regel außerhalb des Lagerkomplexes und konnten sich nach „Feierabend“ in der Stadt frei bewegen. Da die BMW-Führung die Kriegsproduktion der BMW-Flugmotoren nur mit dem Einsatz von Fremd-, Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen bewerkstelligen konnte, waren weitere Unterkünfte notwendig. So begannen ab Herbst 1941 Planungen mit dem Ziel, ein „Häftlingslager“ - laut Planung auch „Russenlager“ genannt - an der damaligen weiter östlich gelegenen Feldmochinger Straße aufzubauen. Die Häftlinge sollten sich „entsprechend der Schichteinteilung entweder im Werk oder in der Barackenstadt aufhalten (...)“.

Die SS kassierte für jeden KZ-Häftling. Nicht nur für Arbeit, Verpflegung und Bewachung, man ließ sich auch die „Beerdigungskosten“ von BMW erstatten. Anders bei den Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen aus dem sog. „Häftlingslager“. Sie wurden - neben KZ-Häftlingen - auch in umliegenden Gärtnereien und landwirtschaftlichen Betrieben in Ludwigsfeld und Feldmoching eingesetzt und über die SS-Verwaltung abgerechnet.

Im „Russenlager“ wohnten die Häftlinge überwiegend in primitiven hölzernen Baracken mit einem Betonfußboden. Sie schliefen in dreistöckigen Betten unter einer Decke auf fauligen Papierstrohsäcken. In den Baracken gab es keinerlei hygienische Einrichtungen. „Alles war total mit Läusen, Wanzen und Flöhen verseucht.“ Lagerführer von Allach war der berüchtigte SS-Obersturmführer Josef Jarolin. Er hatte sich bereits in Hauptlager Dachau beim Massenmord sowjetischer Kriegsgefangener hervorgetan.

Exkurs: Das Karlsfelder Bordell als NS Mustereinrichtung
Um „volkstumspolitische Gefahren“ für die deutsche Bevölkerung zu minimieren und eine „Gefährdung des deutschen Blutes“ zu verhindern, entschloss sich die NS-Führung im September 1939 zur Errichtung von Bordellen für Ausländer in allen deutschen Großstädten. Besonders Polen und „Ostarbeitern“ wurde von der NS-Ideologie eine „animalische“ Triebhafigkeit zugeschrieben. Ab 1942 wurden nahezu in allen deutschen Großstädten Bordelle für „Fremdvölkische“ aufgebaut.
Am 20. Juni 1942 nahm die Karlsfelder B-Baracke (B steht für Bordell, Anm. KM) mit sechs französischen, und fünf polnischen Prostituierten ihren Betrieb auf. Eine zweite Baracke wurde am 29. Juni 1943 in München-Sendling in der Jägerstraße eröffnet. Die Münchner Bordellbaracke hatte für die SS-Führung reichsweiten Modellcharakter. Es war das erste ausschließlich für Fremdarbeiter bestimmte Bordell, das im Deutschen Reich in Betrieb genommen wurde. Die Rekrutierung geeigneter Prostituierter war schwierig. Viele zwangsverschleppten polnische Frauen aus dem besetzten Generalgouvernement  „konnten unterwegs nur mit Gewalt an der Flucht gehindert werden.“ Nach Aussagen der sie begleitenden Polizeibeamten machten die Mädchen keinen „freiwilligen Eindruck“. Und nach Auffassung des Münchner Gesundheitsamtes waren drei untersuchte Frauen und Mädchen in absehbarer Zeit „weder körperlich noch gesundheitlich in der Lage ihren Beruf auszuüben“. Sie mussten sich in stationäre Behandlung begeben. Insgesamt stufte die Kriminalpolizei im Februar 1943 den Karlsfelder Bordellbetrieb als „bewährt“ ein. Die monatliche Besucherfrequenz lag bei 2.000 bis 3.000 Männern. Dies steigerte sich bis November 1943 auf 50 Männer pro Tag. Die Frauen wurden ein- bis zweimal pro Woche von Ärzten des Gesundheitsamtes untersucht.

Das Bordell befand sich nach Polizeiberichten an der Karlsfelder Straße stadtauswärts nahe der Stadtgrenze. Bauträger war die Firma BMW, die die gesamten Baukosten übernahm und die Inneneinrichtung finanzierte. Die Bordellbaracke umfasste 15 Räume und wurde bis Kriegsende betrieben. Nach Zahlung des Liebeslohns an der Pforte erhielt der Fremarbeiter eine Art Eintrittskarte.  Als Preis für einen Bordellbesuch wurden pro Fremdarbeiter 25,- bis 30-, Reichsmark kalkuliert. „Jede Prostituierte hatte ‚ihren‘ ebenfalls aus dem Kreis der Zwangsarbeiter stammenden Zuhälter“.




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