Erste archäologische Voruntersuchungen auf dem Gelände des ehemaligen O.T.-Lager Allach-Karlsfeld (KZ-Außenlager Dachau-Allach) wurden ab Februar 2016 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) durchgeführt. „Unter einer schützenden Kiesauflage traf man hierbei bauliche Reste sowie Laufhorizonte aus der Zeit der NS-Diktatur an, es wurde angesichts des zu erwartenden wissenschaftlichen Wertes der Befunde deren Denkmaleigenschaft festgestellt.“ 1) „Da zum Teil öffentlich über mögliche NS-zeitliche Massengräber spekuliert wurde, beschloss der Grundeigentümer, eine archäologische Untersuchung bereits planungsvorgreifend und parallel zum flächigen Bodenabtrag des insgesamt inhomogenen und zum Teil belasteten Bodens durchführen zu lassen.“ 2) „Um das Areal für künftige Baumaßnahmen nutzen zu können, war damit eine archäologische Begleitung und Ausgrabung notwendig geworden.“ 3) Vorab dagegen vorgebrachte Bedenken betrafen sowohl den erwarteten Erhaltungszustand vermuteter sterblicher Überreste dort begrabener Häftlinge, wie auch Hinweise auf ehemalige Bunkerbauten. Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinden in München und Oberbayern sagte dazu: „Sollte sich der Verdacht von Stadtteilhistoriker Klaus Mai bestätigen, muss alles getan werden, um die sterblichen Überreste dieser Menschen würdig zu behandeln" (...) „Dieser Ort spiegelt symptomatisch das Verdrängungsbewusstsein und die Geschichtsvergessenheit einer bestimmten, zu langen Phase der deutschen Nachkriegsgeschichte wieder.“ 4) Mit der Grabung wurde das Büro für Archäologie, die Firma Neupert & Simm aus München beauftragt, das auch den Grabungsbericht erstellte. Die archäologische Begleitung des vollflächigen Bodenabtrags begann am 17. Mai 2016. Ein Gremium aus Vertretern der Denkmalschutzbehörden, des NS-Dokuzentrums, der israelitischen Kultusgemeinde. der Landeshauptstadt München sowie des Initiators Klaus Mai begleitete die Grabungen, die am 13. Oktober 2017 abgeschlossen werden konnten. Insgesamt wurden 523 Befunde dokumentiert. 5)
Auf Seite 43 des Berichts sind drei geborgene Häftlingsmarken aus Aluminium dokumentiert. In diesen Aluminiummarken waren die Häftlingsnummern ihrer Träger mit Schlagzahlen eingestanzt worden und mit dem üblichen Winkel - der die Zugehörigkeit des Häftlings zu einer bestimmten Kategorie markierte - in den jeweiligen Farben rot, grün oder schwarz bemalt. Jüdische Häftlinge waren auf der Marke zusätzlich mit einem gelben Streifen unterhalb der Nummer gekennzeichnet worden. Diese Markierung war eine Besonderheit, die nur BMW-Arbeitskommandos und Lager betrafen. 7)
Neben persönlichen Alltagsgegenständen wurden auch sterbliche Überrreste gefunden. Die Untersuchungen der Gebeine und der dazu inzwischen vorliegende forensische Bericht bestätigte die These vom Einsatz brutalster Gewalt im KZ-Außenlager Dachau-Allach. 4)
| Mehrfachbestattung | 10 Männer | 1 zwischen 18 bis 25 Jahren |
| 1 zwischen 20 bis 30 Jahren | ||
| 3 zwischen 30 bis 55 Jahr | ||
| 3 zwischen 40 bis 60 Jahren | ||
| 1 zwischen 50 bis 70 Jahren | ||
| 1 senil mit älter 60 Jahren | ||
| 1 Frau | 1 Frau zwischen 40 und 50 Jahren |
- Sehr starke Schmerzen (vor allem wenn Nerv betroffen)
- Flache Atmung, dadurch oft Luftnot
- Begleiterscheinungen an Organen (vor allem häufige Einblutungen in die Lunge)
- Spätkomplikation - Pneumonie, da das Bronchialsekret aufgrund der Schmerzen nicht richtig abgehustet werden kann
- Sehr lange Heilungszeiträume, bedingt durch ständige Bewegung durch Atmung
- Indikator für Misshandlung und Schläge (wenn nicht unfallbedingt)
- Extreme physische/psychische Belastung: 12h täglich Arbeit, für jüdische Häftlinge keine Ruhetage
- Starke Unterernährung: ca. 900 Kalorien/Tag meist in verdünnten Suppen (70 Liter Gulasch auf 5700 Liter Essen)
- Hygienische Bedingungen katastrophal, minimale medizinische Versorgung - keine bzw. langandauernde Heilung, ohne Pflege und Ruhe
- Menschenunwürdige Behandlung: Hetzen der Hunde, Erfrierungen durch Übergießen von Wasser und arbeiten im Winter ohne Schuhe sowie Stockhiebe waren üblich
Diese spezifischen Frakturen gelten in der heutigen Klinik und Diagnose als Indikator für körperliche Gewalt und Misshandlung: Rippen, Schulterblatt, Dorn und Querfortsätze der Wirbel vorhanden. 9)
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7) Vgl. dazu: Josef Jarolin, Zusammenfassender Entwicklungsbericht über den Arbeitseinsatz 1943 - 1944, KZGSD, Archiv 24718. abgedruckt in: Klaus Mai, Das KZ-Außenlager Dachau-Allach in München-Ludwigsfeld, München 2020, S. 155.
