Klaus Mai

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Nach einer vorgelegten Übersicht durchliefen von Februar 1943 bis April 1945 mindestens 33.000 KZ-Häftlinge das KZ-Außenlager Dachau-Allach. Dazu wurden von der SS etwa 650 Häftlingstransporte durchgeführt. Für den Zeitraum von September 1943 bis Mai 1944 waren durchgehende Nachweise oder Stärkemeldungen bisher nicht auffindbar. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass die Fluktuation deutlich höher war, als dokumentierbar. So erscheint es unwahrscheinlich, dass es bei dem wachsenden Arbeitskräftebedarf von BMW in diesem nicht  dokumentierbaren Zeitraum von fast einem Jahr keine Häftlingsbewegungen nach Dachau-Allach oder von dort weg gegeben haben soll. Von August 1943 bis Mai 1944 hatte BMW-Allach die Zahl der eingesetzten KZ-Häftlinge aus dem KZ-Außenlager Dachau-Allach von 2.267 auf 4.462 fast verdoppelt. Transporte aus anderen Lagern haben demnach also in diesem Zeitraum stattgefunden. Wichtig war, dass nur „arbeitsfähige, voll einsatzfähige Häftlinge“ überstellt werden sollten, „damit beim Arbeitslager, das vom Stammlager räumlich weit entfernt ist, nicht die Errichtung eines großen Krankenreviers notwendig wird.
Ein SS-Bericht vom 6. April 1943 belegt, dass der Zustand der Häftlinge schon beim Transport vom KZ-Lublin nach dem KZ-Flossenbürg den gestellten Anforderungen in keiner Weise entsprach. Darin heißt es u. a.: Von den „317 Häftlings-Facharbeiter[n] sind fast die Hälfte in ihrem Beruf nicht mehr einsatzfähig, da sie kränklich und körperschwach sind.“ Die mangelhafte Versorgung der KZ-Häftlinge setzte sich im KZ-Außenlager Dachau-Allach fort. Berichten zufolge brachen KZ-Häftlinge bei BMW am Arbeitsplatz zusammen, so dass sich die Firma BMW entschloss, mittags für die im Werk Allach eingesetzten Häftlinge zusätzlich eine Suppe bereitzustellen.
Für das Jahr 1943 wurden bei BMW aus dem KZ-Außenlagerkomplex im Dezember 2.270 KZ-Häftlinge in der „Motorenproduktion“ registriert. Im BMW-Bericht der Neubauleitung für Allach ist für den Monat Dezember 1943 die Bezahlung von 4.201 KZ-Häftlingen dokumentiert. Danach arbeiteten mindestens zusätzlich 1.715 Häftlinge bei den Unternehmen der in dieser ArGe (Arbeitsgemeinschaft) kooperierenden Firmen wie z. B. Sager & Woerner, Dyckerhoff und Widmann oder Held & Francke als „Bausklaven“.
Häftlingstransporte sind tagsüber mit normalen Kurswagen der Reichsbahn zu Hunderten am Münchner Hauptbahnhof erfolgt. Der Weg vom Lager zum Bahnhof und zurück mussten die Allacher Häftlinge in der Regel zu Fuß gehen. Der Transport von 1.000 Allacher KZ-Häftlingen am 26. August 1944 nach Happurg bei Hersbruck, um für BMW den „Doggerstollen“ für die Rüstungsproduktion in den Berg zu treiben, erfolgte per Bahn. Keiner der 1.000 Häftlinge - die allesamt aus Allach kamen - überlebte diesen Arbeitseinsatz.