Das KZ-Außenlager Dachau-Allach

„(...) Nach einigen Tagen wurde ich in das Kommando in Allach, ein Nebenlager von Dachau genommen und kam in das Nebenlager Allach I, ungefähr 7 Km vom Lager Dachau weg. Die Häftlinge arbeiteten in Waffen- und Flugzeugteile-Fabrik. Es war eine große Fabrik im Walde. Ich wurde bei Betonarbeiten beschäftigt. Wenn ich mich heute recht erinnere, so befand sich die Flugzeugfabrik unter der Erde, darüber war meiner Meinung nach ein Flugplatz, er war damals noch nicht vollständig ausgebaut.

Im Nebenlager Allach I verblieb ich bis zum Frühjahr 1944. Wer im Lager Allach I Kommandant war, weiß ich nicht. Die Namen Josef Jarolin oder Sebastian Eberl oder Eberle kannte ich nicht. Wenn ich sie heute sehen würde, so bin ich sicher, diese auch noch nach der langen Zeit zu erkennen. Der Lagerkommandant ging in SS-Uniform, er war ein Mensch von geradem Wuchs, ungefähr 170 cm, breitschultrig, ungefähr 35 - 40 Jahre. Sein Verhältnis zu den Häftlingen war streng. Er selbst gab die Anweisungen zum Schlagen und Quälen der Häftlinge. Täglich kam er mit seinem Vertreter, der auch in deutscher Uniform zum Appellplatz ging, wo er seine Anweisungen erteilte. Ich sah nicht, dass er selbst Häftlinge schlug. Er stand aber beim Kapo und zählte die den Häftlingen zugeteilten Ochsenziemerschläge. Er gab auch Todesurteile heraus. Einmal ereignete sich der Zwischenfall, dass bei einer Maschine die Flugzeugteile bearbeitete, der Riemen riss, wo zwei Russen und ein Pole arbeiteten. Es wurde Sabotage angenommen und diese drei Häftlinge wurden auf Anordnung des Kommandanten gehangen. Es wurde genannt, sie in 14 Tagen zu ermorden. Sie wurden ringsherum durch die Baracken bis zum Verlust ihrer Kräfte geführt. Nach 14 Tagen wurden sie vor den Augen aller Häftlinge aufgehangen. Der Galgen stand zwischen den Blöcken. Der Kommandant, ein Vertreter, sowie viel bewaffnetes Militär standen dabei. Die Erhängung führte ein Kapo durch. Es war ein kräftig gebauter Mensch, schwarzhaarig, im Streifenanzug wie die Häftlinge, deutscher Abstammung. Einige Monate früher wurden vor meinen Augen zwei Polen erhangen. Die Exekution führte der gleiche deutsche Häftling durch. Bei der ersten Erhängung ereignete sich dadurch ein Zwischenfall, indem die Stricke rissen. Es wurden andere Stricke angelegt und erneut gehangen. Weswegen sie erhängt wurden, weiß ich nicht. Die Erhängung erfolgte in Anwesenheit aller Häftlinge beim Abendappell.

Den Namen Eberl oder Eberle kenne ich nicht, ich erinnere mich aber gut, wie der Vertreter des Lagerkommandanten aussah. Es war ein Mann in deutscher Offiziers-Uniform, mittleren Wuchses von kräftiger Figur und er hinkte auf dem linken Fuß. Wie erzählt wurde, soll er Tscheche gewesen sein. In seinem Verhalten war er schlimmer als der Kommandant selbst. Er ging öfters durch die Baracken, selbst in der Nacht. Es kam vor, dass er nachts die Häftlinge aus den Blöcken trieb. Während meiner Aufenthaltszeit führte er einige zehn Personen aus den Blöcken heraus, ich weiß nicht, dass sie wieder zurückkamen. Unter welchem Vorwurf er sie herausführte, das weiß ich nicht. Bei allen Exekutionen nahm er beim Schlagen mit Stöcken teil, er zählte vor, wieviel Schläge der Häftling zu bekommen habe. Die Häftlinge fürchteten den Vertreter mehr als den Kommandanten. Es gab auch solche Zwischenfälle, dass er in Häftlingskleidung in die Blöcke ging und zuhörte, was die Häftlinge untereinander redeten. Ich selbst sah in einige Male als Verkleideten. Neben den Kommandanten gab es Blockführer, Stubenälteste sowie Kapos. Ich kenne keinen einzigen Namen. Es war schwer die Namen zu wissen, denn nach Ablauf eines Monats wurden wir in andere Blöcke gebracht, um diese nicht näher zu kennen. Der Rest meines einjährigen Aufenthaltes in diesem Lager führte mich durch 13 Blöcke, was beweist, wie die Häftlinge laufend gemischt wurden, um nicht in Gegenwart der gleichen Kapos zu sein.

Im Nebenlager Allach I arbeitete ich wie vorgenannt gesagt bei Betonarbeiten. Es ereignete sich bei mir ein Zwischenfall, dass ich von einem Kapo mit der Faust so stark auf die Brust in Herzhöhe geschlagen wurde, dass er mir Rippen brach. Damals lag ich drei Wochen im Krankenrevier. Behandelt wurde ich, soweit ich mich erinnere, durch einen deutschen Arzt, es arbeitete hier auch ein polnischer und russischer Arzt. Wärter gab es in diesem Hospital nicht. Das Verhältnis der Ärzte zu den Häftlingen war ziemlich gut. Die Ernährung im Nebenlager Allach I war sehr schlecht. Zum Frühstück gab es Tee irgendwelcher Blätter, zu Mittag vorwiegend verfaulte Kartoffeln, am Abend gab man uns ein Stückchen Brot. Nach ungefähr einem halben Jahr in diesem Lager, nach den Versuchen, begann ich hauptsächlich an den Füßen zu kränkeln. Es bildeten sich Blattern bis zu dem Grade, dass ich bis zu den Knien verblutete Beine hatte.

Wegen den Füßen war ich über zwei Jahre krank und habe bis zum heutigen Tage starke Schmerzen. Die Wunden verband ich seinerzeit nicht, da ich Angst hatte erkennen zu lassen, dass ich kranke Füße habe, sonst wäre ich für das Krematorium bestimmt worden. Deswegen ging ich täglich zur Arbeit. Aus dem Zeitraum in Allach liebt bis zum heutigen Tage der Zeuge Franciszek Nowak, [1] wohnhaft in Warszawa, welcher im Lager als Sekretär arbeitete, der könnte genau über den Kommandanten und seinen Vertreter aussagen, da er sie täglich sah und ihre Namen kannte. Zur Orientierung bemerke ich, dass er, wie er mir erzählte, vor dem Krieg in der Stadt Warszawa Bürgermeister war. Seine nähere Anschrift kenne ich nicht. In diesem Zeitraum wurden Hunderte von Häftlingen, vorwiegend Russen, in die italienischen Alpen gebracht. Ich war Zeuge, wie sie ins Auto verladen wurden und nicht mehr in dieses Lager zurückkam.“ [2]
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[1] Francisek Nowak, * 4.10.1911 in Warschau # 107703, Bauarbeiter. ITS 1.1.6.7\NI-NOWN\1328. Nowak wurde am 27.9.1944 von Allach in das KZ-Natzweiler überstellt. Er starb am 25.2.1945. Möglicherweise irrte sich hier Kapera beim Vornamen. Lagerschreiber war zu diesem Zeitpunkt Johann Nowak, * 23.12.1914 in Petrikau, # 46169, Jurist, Sch., Pole. Am 5.3.1943 vom KZ-Flossenbürg in das Außenlager Allach überstellt. Vgl. ITS 1.1.6.7\NI-NOWN\1369. Dolmetscher, Lagerschreiber.

[2] Wladislaw Kapera, BArch IV 410 AR - 2147/67, KZGSD Archiv 15883.

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