KZ-Häftling im O.T.-Lager Rothschwaige und Allach-Karlsfeld
Brandstein, Otto, * 06.10.1927 in Buschthyahasa, # 70947, Sägearbeiter, Sch, Jude, ledig, Ungar, wohnte in Budapest in der Josefstr. 33, war am 15.04.1944 in Buschthyahasa verhaftet worden. Er kam am 18.06.1944 mit einem Transport von Auschwitz nach Dachau-Allach.
„Am 2. Juni 1944 wurde ich von meiner Heimat nach Auschwitz-Birkenau eingebracht. Nach etwa drei Wochen wurde ich mit einigen hundert Juden (...) nach Allach verbracht. Unterwegs wurden wir einige Tage in einem Lager gehalten, an dieses Lager kann ich mich nicht mehr erinnern.
In Allach angekommen fanden fanden wir schon eine nicht erinnerliche Zahl von jüdischen Häftlingen vor. Die Funktionshäftlinge waren zumeist Deutsche. Nach uns kamen Juden vom Ghetto Warschau. Die Höchstzahl belief sich auf einige tausend Mann, doch ich kann mich auf keine genauen Zahl einlassen.
Etwa zwei Monate vor der Befreiung des Lagers wurde in einem Teile des Lager ein Frauenlager eingerichtet. Einige Baracken wurden zu diesem Zwecke geräumt und ein Drahtzaun aufgestellt. Die Frauenhäftlinge waren Jüdinnen. (...) Die Lagermannschaften bestanden aus SS-Angehörigen, auf einem der Wachtürme stand ein Ukrainer. Es kommt mir vor, dass unter den Mannschaften auch Wehrmachtsangehörige gewesen waren.
Zu Beginn arbeitete ich beim Barackenbau - die Baracken wurden in einem Heim für die OT gebaut. Eine Zeitlang musste ich weiter für OT im Knoll-Kommando arbeiten. (...) Das Knoll-Kommando arbeitete auf der Bahnstrecke auf der Bahnstation Allach. Einige Monate im Winter arbeitete ich bei BMW, dort hatten wir (Bunker) gebaut. Hier wurden wir durch SS-Mannschaften mit Hunden begleitet. Die Aufsicht selbst übten OT-Männer aus.
Etwa drei Wochen vor vor der der Befreiung, die mich im Evakuierungszuge erreichte, wurden wir evakuiert und auf offene Wagen verladen. Die Begleitung besorgten alte Männer in Wehrmachtsuniformen. Etwa im Januar 1945 eines Vorabends sah ich, wie der Blockälteste von Block Nr. 1 oder 2 - ein Deutscher mit grünem Winkel einen mir beim Namen nicht erinnerlichen Häftling derart misshandelte, dass der Häftling daran verstarb. Im BMW-Kommando wurden wir am Wege zur und von der Arbeit geschlagen und durch auf uns gehetzte Hunde gebissen. (...) In Allach war die Sterblichkeit hoch, Häftlinge verstarben an Durchfällen. Vom Hörensagen weiß ich, dass ein Revierkapo, der Bäcker von Beruf sein sollte, Häftlingen, die an gefrorenen Gliedern litten, das Fleisch von den Fingern schabte.” 1)
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1) Otto Brandstein, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 49 f.
