Moshe Kaufmann

KZ-Häftling im O.T.-Lager Rothschwaige, Allach-Karlsfeld und Mühldorf

„Im Frühjahr 1944 wurde ich ins Ghetto einsetzt und von dort nach Auschwitz transportiert. Nach zwei Wochen wurde ich ins Lager Rothschwaige - eine kleines Nebenlager des KZ-Dachau abtransportiert. Nach Rothschwaige bin ich ungefähr im Mai 1944 angekommen und nach ungefähr 3 Monaten wurde ich ins Arbeitslager Karlsfeld-Allach gebracht. Wie ich mich genau erinnere, hat das Arbeitslager Karlsfeld Allach geheißen. Es waren dort viele Kommandos, aber das Lager hat "Arbeitslager Karlsfeld-Allach" geheißen.
Ich bin in diesem Lager ungefähr im Juli 1944 angekommen und war dort circa 6 Monate inhaftiert. Das Lager war unweit von München, ungefähr 10 Kilometer von München. Ich war dort in einer Gruppe von etwa 40 Menschen aus meiner Heimatstadt, in Auschwitz wurden wir in einen Transport von ungefähr 500 Juden eingeschlossen und in diesem Transport kam ich nach Rothschwaige, wo nur dieser Transport war und nach Liquidierung von Rothschwaige kam dieser Transport nach Karlsfeld-Allach. Unser Transport bestand aus Juden aus Ungarn, es aber auch eine Anzahl polnischer Juden, welche in Auschwitz diesem Transport angeschlossen wurden. In Karlsfeld-Allach haben wir schon Häftlinge - ein paar hundert Leute angetroffen. Es waren verschiedene - aus Griechenland, Polen, Ungarn, sogar aus Holland auch. Unser Lager war unter Leitung der OT. Nur durch einen Zaun von uns abgegrenzt war ein großes Gefangenenlager, welches ein KZ-Lager war. Auf dem Tore unseres Lagers war OT-Lager geschrieben, bei denen war ein Schild - KZ-Lager. Dort waren einige tausend Kriegsgefangene - meistens Russen. Der Lagerführer dieses Lagers war ein SS-Funktionär und er war auch Kommandant-Lagerführer unseres Lagers. Das war der einzige SS-Mann mit dem wir zu tun hatten. Sonst waren unsere Wachposten aus der Wehrmacht - ältere Leute - und die Arbeitsleitung gehörte den OT-Leuten, welche Vorarbeiter bei der Arbeit waren. Die Bewachung des anderen Lagers - des Gefangenen-Lagers - bestand aus SS-Leuten.

Es war aber bei uns ein Kommando - ungefähr 100 Häftlinge, welche jeden Morgen ins Gefangenenlager geführt wurden, dort einem Kommando angeschlossen wurden - einem großen Kommando - welches bei Arbeiten der Firma "Sager und Woerner Bunkerbau" beschäftigt war. Die Bedingungen unter denen dieses Kommando gearbeitet hat - waren unmenschlich. Häftlinge, welche in dieses Kommando genommen wurden, konnten die Bedingungen nicht aushalten. Zusammen mit den Gefangenen mussten die Häftlinge aus diesem Kommando zum Arbeitsplatz welcher einige Kilometer entfernt war schnell laufen. Wer nicht so schnell laufen konnte, wurde Von Hunden gebissen welche durch die SS-Leute auf die Häftlinge gehetzt wurden. Dieses Kommando ging zur Arbeit unter Bewachung von SS-Leuten. Mein Vater Meschulam-Salomon Kaufman, damals ungefähr 45 Jahre alt wurde in dieses Kommando genommen. Er starb nach 3 - 4 Wochen. Ich war auch Wochen in diesem Kommando habe aber Glück gehabt. Ich war damals 16 Jahre alt‚ konnte mehr aushalten. Mit Hilfe eines Funktionshäftlings. welcher aus meiner Stadt war - gelang es mir aus diesem Kommando lebend herauszukommen. Die Bedingungen des Gefangenenlagers waren unvergleichlich ärger wie unsere. Viel mehr Arbeitsstunden, schwere Arbeit, Schläge, Hunger, verschiedene Strafen für das kleinste Vergehen. Das Kommando welches mit den Gefangenen zur Arbeit, ging, wurde bei uns in einem abgesonderten Block gehalten. Das ganze Lager schlief noch als sie zur Arbeit gingen und das Lager ruhte schon lange als dieses Kommando zurückkam. Die Bedingungen in unserem Lager waren viel bessere. Über Tötungsfälle-Erschiessungen kann ich nicht berichten, Im Arbeitslager Karlsfeld hat man Häftlinge nicht getötet. Es war ein Fall einer Ertrinkung im Teich, aber Einzelheiten weiß ich nicht. Es war aber eine große Sterblichkeit schwere Arbeit, Hunger, Schwäche, Krankheiten. Es war ein Revier, er waren Ärzte, aber es war schwer zum Revier zu gelangen und im Revier bekam man auch keine Hilfe. Häftlinge starben bevor sie ins Revier kamen und starben auch im Revier. Befragt erkläre ich, dass soviel ich weiß wurden aus dem Lager Karlsfeld Häftlinge ins Krematorium nicht geführt. Es war bei uns im Lager ein Invalidenblock - ungefähr 100 nicht arbeitsfähige Häftlinge - sie wurden aber nicht abtransportiert. Die Toten, die Leichen wurden nach Dachau geführt.

Befragt erinnere ich mich jetzt an zwei Rapportführer, die welche bei Zählappellen waren. Ich berichtige: diese zwei Rapportführer waren SS-Leute wahrscheinlich - einer hieß BUSCH der andere MAYER. Busch war kleingewachsen, Mittelstark, an die 40 Jahre, war uniformiert ähnlich wie Wehrmacht. Er war ein guter Mensch, lachte immer, machte die Appelle schnell und plagte uns nicht. MAYER war groß, fast auch an die 40. Beide hatten denselben Rang - wahrscheinlich Unteroffiziere oder auch Offiziere niedrigen Ranges. Meier war ärger als Busch, aber auch nicht besonders schlecht. Gezittert haben wir vor dem Lagerführer, welcher ungefähr einmal die Woche vom anderen Lager zu uns herüberkam und beim Appell war. (...) Immer kam er mit einem Hund ins Lager. Er hat geschlagen und geschimpft. Die Prügelstrafen - 25 Hiebe - welche er befohlen hat, haben die Kapos ausgeführt. Es waren Häftlinge - nicht Juden - grausame Menschen. Einer hieß KNOLL - war deutscher krimineller Häftling. Namen der jüdischen Funktionshäftlinge sind mir nicht im Gedächtnis geblieben. Es war ein jüdischer Arzt - der Leiter des Reviers - ein Jude aus Großwardein. Er ist umgekommen vor der Befreiung. Ich war - wie gesagt in Karlsfeld etwa 6 Monate und dann - Ende Winter 1945 wurden wir evakuiert ins Lager Mittelgras und dann nach 3 Monaten nach Mühldorf geführt. (...) Ich will bemerken, dass ich aus Karlsfeld in einem Transport von 80 - 100 ungefähr Menschen ging. Als ich abtransportiert wurde, blieben noch in Karlsfeld viele Häftlinge. (...) Befragt, ob ich mich an die OT-Leute erinnere, unter Leitung deren ich doch 6 Monate in Karlsfeld gearbeitet habe, erkläre ich: Ich erinnere mich an viele - aber an keinen einzigen Namen. Sie waren meistenteils nicht schlechte Leute und behandelten uns nicht schlecht. Sie verlangten nur Arbeit, manchmal halfen sie uns sogar mit Lebensmitteln (...).” 1)
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1) Staatsanwaltschaft München, 24814/1. Blatt 160.

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