SS-Kommandoführer im O.T.-Lager Rothschwaige
Kastner, Johann, * 31.3.1897 in Olching, Lehrer, SS-Kommandoführer. IMT Case No. 000-50-2-102 (US vs. Johann Kastner et al) Tried 9 Sept. 47., SS-Kommandoführer im O.T.-Lager Rothschwaige.
„Nach der 5. Klasse Volksschule kam ich in die Klosterschule Scheyern in das dortige erzbischöfliche Gymnasium; von dort kamen wir Studenten nach der 5. Gymnasialklasse in das staatl. Gymnasium in Freising. Ich war Angehöriger des Erzbischöflichen Seminars, in das nur solche Schüler aufgenommen wurden, die die Absicht hatten, kath. Priester zu werden. Am 3. April 1916 wurde ich eingezogen zu einer Rekruteneinheit nach Passau. Von dort wurde ich versetzt zu einer Kompanie in München, kam nach der Rekrutenausbildung und Tätigkeit als Ausbilder in einen Aspiranten Kurs nach Freising. Im Jahre 1917 kam ich zur Fronttruppe nach Nordfrankreich und Belgien. Im März 1918 wurde ich verwundet - Unterarm mit Radialis und Ulnarislähmung. Entlassen wurde ich als Vizefeldwebel und Offizier-Anwärter. Nach dem Krieg trat ich im erzbischöflichen Priesterseminar Freising als Kandidat der Philosophie und Theologie ein und bereitete mich auf den Priesterstand vor. Ich kam aber später zu der Einsicht, dass ich dazu nicht berufen war. Ich trat aus der phil./theol. Hochschule aus und strebte meine Aufnahme in die Lehrerbildungsanstalt in Pasing an. In einem Kurzlehrgang wurde ich zum Volksschullehrer ausgebildet und machte im Dez. 1922 meine erste Staatsprüfung. Als sog. Schulamtsbewerber wurde ich dann aushilfsweise in einigen Schulen, Olching - Erding - Kiefersfelden verwendet und bekam meine erste Anstellung als Lehrer. In Kiefersfelden war ich 12 Jahre und betätigte mich politisch in der damaligen Volkspartei als Obmann des Ortes. 1934 bis 1937 war ich an der Volksschule in Ingolstadt als Lehrer tätig. Dann wurde ich nach München-Pasing versetzt und wirkte an mehreren städt. Volksschulen. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde ich gemustert, aber nicht einberufen. Die Einberufung erfolgte erst im April 1940. Ich gehörte dem Landesschützen-Btl. 525 an mit Standort München, machte Dienst als Hauptfeldwebel (Spieß) und kam im April des gleichen Jahres nach Frankreich und Belgien. Noch im gleichen Jahr wurde ich U.K. gestellt, aber kurz vor Ausbruch des Russlandfeldzuges wurde ich erneut eingezogen. Ich kam zu einer aktiven Truppe in München. Hier blieb ich bis zu meiner Feldabstellung am 6. Jan. 1942. Ich kam nach Russland (Mittelabschnitt) Meine Einheit war die 707. Division. Ich kann mich aber auch irren. Rgt. und Komp. weiß ich nicht mehr. Sicher ist aber, dass dies eine Infanterieeinheit war. Ich wurde als Kompanie-Offizier und Ordonanz-Offizier im Regiment verwendet. Wegen meiner bereits geschilderten Verwundung war ich nicht mehr felddiensttauglich. Vermutlich im Sommer 1942 kam ich zum Ersatz-Bataillon nach Lindau/Bodensee. Ich wurde Chef einer Genesenden-Kompanie. Abwechselnd wurde ich verwendet als Begleitoffizier für Marschkompanien. Von Lindau aus wurde ich in gleicher Eigenschaft nach Kempten versetzt.
Im Sommer 1944 kam ich nach Berlin-Oranienburg. Dorthin wurden Offiziere des Heeres und der Luftwaffe befohlen, die nicht mehr K.V. (kriegsverwendbar) waren und die zur Ablösung von K.V.-Offizieren der Waffen-SS bei verschiedenen KZ bestimmt wurden. Diese SS-Offiziere wurden für den Fronteinsatz benötigt. Ich hatte zu dieser Zeit den Dienstgrad eines Infanterie-Oberleutnants. Ich wurde nach 2 Tagen nach Dachau zur Kommandantur in Marsch gesetzt. Ich glaube, dies war im Juli 1944. Zu diesem Datum komme ich deshalb, weil in diesen erwähnten Tagen des Juli 1944 meine Familie in Pasing total ausgebombt wurde. Ich muss um den 21./22.Juli 1944 ausgebombt worden sein. Von der Kommandantur in Dachau habe ich die Erlaubnis bekommen, nach Dienst bei meiner Familie zu wohnen. Die Kommandantur hat mich in das Arbeitslager Neuaubing verwiesen. Ich sollte mir dort den Betrieb eines Lagers anschauen und kennen lernen. Das Lager Neuaubing lag mitten im Ort. Es war ein kleines Lager, SS-UStuf. geleitet. Die Häftlinge arbeiteten in den Dornierwerken in Neuaubing. Während meines Aufenthaltes in Aubing hatte ich keine dienstlichen Aufgaben. Ich bin nur in die Fabrik gegangen und habe mir den Betrieb angesehen. Im Übrigen bin ich bei jeder Gelegenheit 1) nach Hause (Pasing) gefahren. Mein Aufenthalt in Neuaubing dauerte 3 - 4 Wochen. Ich wurde unvorhergesehen zum Lager Rothschwaige kommandiert und war als Ablösung für Hauptmann Morgenstern 1) vorgesehen. Morgenstern war Kommandoführer der dortigen Wachmannschaft, die eine Stärke von ca. 25 Mann hatte. Auf Frage an Herrn Kastner, ob er dann Lagerführer in Rothschwaige war oder wer dies war, antwortete er: Lagerführer war Jarolin, der seinen Standort in Allach hatte. Allach war von Rothschwaige ca. 3/4 Gehstunden entfernt. Für die Häftlinge im Lager Rothschwaige war der Lagerälteste, ebenfalls ein Häftling, bestimmt. An den Namen erinnere ich mich nicht mehr. Hinsichtlich der Lagerführung herrschte damals Unkenntnis und Unsicherheit. Ich selbst kannte mich ebenfalls nicht aus. Daraufhin wurde von Major (SS-Stubaf.) Degelow 2) eine Definition über den Begriff Lagerführer/Kommandoführer schriftlich erteilt. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass unser kleines Lager Rotschwaige keinen eigenen Lagerführer hatte, sondern dass Jarolin hierfür zuständig war.
Der Kommandoführer hatte nur das Kommando über die Wachmannschaft. Diese wiederum beaufsichtigte die Häftlinge auf dem Weg von und zur Arbeit. Bei der Arbeit selbst war die Wachmannschaft nicht zuständig. Hier übte die Aufsicht die OT aus. Ich bekam meine Weisungen von Jarolin und vom Wach-Btl., dem der o.a. Degelow vorstand.
Frage: Wer bestimmte in Rothschwaige den Einsatz der Häftlinge?
Antwort: Der Lagerälteste - ein Häftling - hat die Arbeitskommandos eingeteilt. Ich brauchte mich damit nicht befassen. Die jeweilige Anforderung stellte der Betrieb, der die Häftlinge benötigte.
Frage: Angehörige Ihrer Wachmannschaft begleiteten die Häftlinge zur und von der Arbeitsstelle. Ist es vorgekommen, dass Häftlinge zu fliehen versuchten, dass auf Häftlinge aus sonstigen Gründen geschossen wurde, dass Häftlinge vor Angehörigen Ihrer Wachmannschaft geschlagen oder erschlagen wurden? Sie brauchen diese Fragen nicht beantworten, wenn Sie sich dadurch die Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung zuziehen würden.
Antwort: Solche Vorfälle sind mir über Rothschwaige nicht bekannt. Das ist die Wahrheit. Frage: Welche Uniform trugen Sie damals in Rothschwaige? Antwort: Heeresuniform und gelegentlich SS-Uniform. Letztere trug ich nur, wenn ich zu Vorgesetzten gerufen wurde. In Olching (meiner Heimat) und auch bei meiner Familie habe ich nie SS-Uniform getragen. Da hätte ich mich geschämt. Vermutlich in Neuaubing oder auch erst später in Rothschwaige - genau weiß ich das nicht mehr - habe ich Bombenurlaub bekommen. Wenn ich nach der Dauer meines Aufenthalts in Rotschwaige gefragt werde, dann meine ich, dass ich ca. 3 Wochen dort war. Dann kam ich nach Landsberg/Lech als Kompanieführer. Die genaue Bezeichnung der Einheit weiß ich heute nicht mehr; ich meine, dass der Stempel in etwa hieß „SS-Totenkopf ...“ Diese Einheit bestand aus 4 Kompanien. Wir unterstanden auch hier dem BtI. Kdr. Degelow.
Frage: Nach einer Meldung der amerikanischen Dienststelle (Vgl. BI. 257) waren Sie u.a. auch im Lager Karlsfeld-Allach. Nun sagen Sie, daß sie von Rotschwaige aus unmittelbar nach Landsberg gekommen sind. Bisher haben Sie sehr präzise Angaben gemacht. Erinnern Sie sich an Karlsfeld?
Antwort: Ich möchte heute behaupten, dass ich nie im Lager Karlsfeld mit meiner Wacheinheit war. Ich war dort nie stationiert und war dort auch nie Lagerführer. Lagerführer war Jarolin. Er war zuständig für Rotschwaige, Karlsfeld/Allach. In Allach-Karlsfeld hatte er auch seinen dienstlichen Wohnsitz.
Frage: Finden Sie eine Erklärung, warum in dem amerikanischen Dokument der Eintrag „Karlsfeld“ erscheint?
Antwort: Nein. Ich kann mich wirklich nicht erinnern in Karlsfeld stationiert gewesen zu sein. Wenn dies aber wirklich war, dann sicherlich nur eine ganz kurze Zeit. Meine Erinnerung bricht hier ab. Ich meine nach wie vor, dass ich unmittelbar von Rotschwaige nach Landsberg versetzt wurde. Bemerken möchte ich, dass ich in letzter Zeit sehr vergesslich werde. Ich nehme mir etwas vor und nach ein paar Schritten weiß ich es nicht mehr. Auffallend ist, dass ich Vorkommnisse aus der Jugendzeit teilweise noch sehr genau weiß. Dies dürfte mit meinem Alter zusammenhängen; ich werde heuer im März 80 Jahre alt.
Frage: Ist es zu Tötungshandlungen im Lager Rotschwaige gekommen?
Antwort: Solange ich in diesem Lager war, nicht. 1) Wenn mir nun die Erklärung des Zeugen Kerner 2) (Blatt 118 der Entnazifizierungsakte) vorgelesen wird, wonach dieser Zeuge aussagt, dass es im Lager Rotschwaige doch zu Prügelstrafen gekommen sei, so erkläre ich: Ich erinnere mich an einen einzigen Fall. Ein Häftlingskapo - Name nicht bekannt - hatte Münzgeld in seinem Besitz. 3) Wer das festgestellt hatte, weiß ich nicht. Von der Kommandantur wurde angeordnet, dass dieser Häftling 10 Stockschläge (es können auch 20 gewesen sein) bekommen soll. Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Es wurden Vorbereitungen getroffen. Es wurde ein Tisch aufgestellt, Dann musste sich der Delinquent auf den Tisch legen oder beugen. Zu dem Lagerältesten - einen Häftling - sagte ich, wir werden diese Strafe nur symbolisch durchführen. Man solle dies aber ja nicht weitersagen. Die beiden Männer - ob es Häftlinge waren - weiß ich nicht mehr, taten nun so, als wenn sie auf den Häftling einschlagen würden. Sie zogen mit dem Stock aus, berührten aber beim Zuschlagen den Häftling kaum. Ich möchte sagen, sie berührten den Häftling überhaupt nicht. Ich war selbst stolz, daß mir diese Sache so gelungen ist. Das ist der einzige Fall von dem ich weiß. Ich muss sagen, dass ich mich mit Karlsfeld nach dem Krieg überhaupt nicht befasst habe und daher nach wie vor der Meinung bin, dass ich nie in diesem Lager war. Vielleicht wurde Rotschwaige nach meiner Versetzung aufgelöst und alles kam nach Karlsfeld. Sonst finde ich keine Erklärung.
Vermerk: Der Zeuge wurde wiederholt gefragt, ob die Vernehmung unterbrochen werden soll. Er verneinte dies. Um 18:15 Uhr hat seine Tochter angerufen und nach dem Zeugen gefragt. Nun erklärte Herr Kastner, dass die Vernehmung abgebrochen werden solle. Er würde morgen nochmals vorbeikommen. Vermerk: Die Vernehmung wurde am 19. Januar 1977, 10:00 Uhr fortgesetzt. Der Zeuge erschien in Begleitung seiner Tochter Amalie Kastner, die auf Ersuchen des Zeugen der Vernehmung beiwohnte.
Frage: Können Sie heute nähere Hinweise geben, ob Sie jemals im Lager Karlsfeld-Allach waren?
Antwort: Ich kann mich erinnern, dass ich in diesem Lager, das damals vermutlich noch im Aufbau war, mich umsah - weil in Rothschwaige die Rede davon war, dass dieses Lager aufgelöst werden soll -, dass ich in der Nähe von Baracken - ich weiß nicht, ob sie für die Wachmannschaft oder für die Baracken bestimmt waren, große Erdhaufen waren, dass ein mit Wasser gefülltes großes Becken da war, von dem ich hörte, dass die Häftlinge darin auch baden könnten (wörtlich diktiert). Erinnerlich ist mir nur noch, dass meine Soldaten ungern nach Karlsfeld wollten, weil sie, wie sie sich ausdrückten, „zu nahe beim Schuss“ wären. Dabei dachten die Soldaten sicher an den Jarolin. Trotz allem kann ich mich nicht erinnern, jemals in Karlsfeld stationiert gewesen zu sein. Ich war in keinem Lager Lagerführer. Ich war nur Wachkommandoführer der jeweiligen Wacheinheit. Wenn in den Akten bestätigt wird, ich sei Lagerführer gewesen, so ist das nicht richtig. Mir wurden eine Reihe von Namen ehem. SS-Angehöriger des Lagers Karlsfeld (B 281-283) vorgelesen. Keine dieser Personen ist mir bekannt. Ich erinnere mich auch nicht an einen jungen SS-Arzt. Im Lager Rotschwaige gab es nur ein paar Häftlingsärzte. Bekannt ist mir ein KnolI, 4) der war Häftlingskapo. Er wurde in Landsberg hingerichtet. Er war in Rotschwaige. Der Kapo Zepf 5) o.ä. ist mir nicht bekannt. Ich habe nur mehr eine Erinnerung an den deutschen Häftling Kerner, 6) der damals in Rotschwaige war. Ich habe mich verschiedentlich mit den Häftlingen unterhalten und habe sie auch gefragt, warum sie im Lager sind, ob die zufrieden sind u.a.
Auf Frage: Unser Essen bekamen wir von der OT. Das Essen wurde mit Kesseln angebracht. Eine eigene Küche gab es in Rotschwaige nicht.
Frage: Wo waren Sie im Winter 1944/1945?
Antwort: Im Lager Landsberg als Wachkompanieführer. Ich erinnere mich auch noch daran, dass später die Wachkompanien zu einer Kompanie zusammengefasst wurden. Diese vergrößerte Kompanie führte ich.
Frage: Was hatten Sie zum Kriegsende für einen Dienstgrad?
Antwort: Im Jahre 1944/45 wurde ich Hauptmann. Ich bin nicht zur SS eingetreten, obwohl man an mich herangetreten ist.
Frage: Aus Ihren Spruchkammerakten (BI. 31) geht hervor, dass sie die Ablösung des Rapportführers Kirsch 7) betrieben haben, weil Kirsch das Verbot, die Häftlinge zu schlagen, nicht beachtet hat. Wo war dieser Vorfall? Antwort: Dieser Vorfall ereignete sich in Landsberg. Ich habe nach bestem Wissen ausgesagt und habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen.“ 8)
Johann Kastner
Vermerk des Vernehmungsbeamten
Der Zeuge Kastner hinterließ einen für sein Alter (fast 80 Jahre) wirklich vitalen Eindruck. Man könnte Herrn Kastner ohne weiteres auf 70 Jahre schätzen. Um auch seine geistige Beweglichkeit zu testen, wurde er gebeten, seinen Werdegang in kurzen Zügen selbst zu diktieren. Er kam diesem Ansinnen sogleich nach, diktierte dabei teilweise sogar die Interpunktion. Allerdings fiel auf, dass er plötzlich nach irgendeinem einfachen Wort suchte und dankbar war, wenn ihm Hilfestellung gegeben wurde. Erheblich im Stich ließ Herrn Kastner das Erinnerungsvermögen ab dem Jahre 1944. Hier verwechselte er Orte und Zeiten. Möglich, dass dies eine altersbedingte Erscheinung ist. Es ist aber nicht unbedingt von der Hand zu weisen, dass diese Erinnerungslücken von den vielen Vernehmungen amerikanischer Stellen herrühren, denen Herr Kastner nach dem Krieg unterworfen wurde.
Herr Kastner wurde von einem amerikanischen Gericht zuerst zum Tode durch den Strang verurteilt. Dann wurde dieses Urteil wieder aufgehoben und Kastner erhielt lebenslängliche Freiheitsstrafe. Später wurde diese Strafe auf 15 Jahre herabgesetzt und dann wurde er Anfang 1950 im sog. Paroleverfahren freigesprochen. Befragt, warum er zu dieser Strafe verurteilt wurde, meinte er, er könne sich dies heute noch nicht erklären. Er sei sich keiner Schuld bewusst. Sein damaliges Verteidigungsvorbringen sei vom amerikanischen Gericht ignoriert worden. Als die damalige Inhaftierung Kastners in Landsberg zur Sprache kam, sackte Kastner merklich zusammen. Er wirkte auch niedergeschlagen. Dabei schilderte er, dass er von seiner Zelle aus die Betätigung des Galgens hören und, sobald die Zellentüre geöffnet wurde, die Erhängten sehen konnte. Man könne nicht zu Papier bringen, was er damals gelitten habe. Herr Kastner versicherte immer wieder, er sei nie Lagerführer in irgendeinem Lager - auch nicht in Karlsfeld - gewesen, sondern war nur Kommandoführer der Wachmannschaften.
Als solcher hatte er mit dem Lager nichts zu tun. In diesem Zusammenhang wird auf die Spruchkammerakte, Blatt 115 (Eidesst. Erklärung des Oswald Pohl), 9) in Landsberg hingerichtet) verwiesen: „(...) Der Kompanie-Führer in einem solchen Lager war rein militärischer Führer der Wachkompanie. Er hatte weder Befehlsgewalt noch Verantwortung in Bezug auf Häftlinge (...) Der Kompanie-Führer einer Wachkompanie empfing die Befehle über Wach- und Begleitdienst vom jeweiligen Lagerführer ... Die Verantwortlichkeit des Lagerführers erstreckte sich auf alle Häftlinge innerhalb und außerhalb des Lagers einschließlich Arbeitseinsatz und Bewachung (...).“ Der ehemalige Vorgesetzte des Kastner - SS-Sturmbannführer und Bataillons-Kommandeur der SS-Wacheinheiten Fritz Degelow (verstorben 1958) erklärte sinngemäß (Spruchkammerakte Blatt 100): „(...) Ich war vom 23.6.1944 bis Kriegsende Bataillons-Führer der SS-Wacheinheiten, die der Kommandantur zugeteilt waren. Hauptmann der Wehrmacht Kastner war mir während dieser Zeit dienstlich unterstellt. Er führte vom September 1944 bis Anfang Januar 1945 die 10. Kompanie Kaufering und anschließend bis zur Auflösung des Lagers die 9. zusammengefasste Wachkompanie in Kaufering. Kastner war während dieser Zeit ausschließlich militärischer Vorgesetzter der Wachmannschaften. Häftlinge waren Kastner nicht unterstellt (...) „Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Zeuge absichtlich die Unwahrheit sagen oder etwas verschweigen würde. Bei Beginn der Nachvernehmung (19.1.77) erklärte Kastner sogleich, er habe sich die halbe Nacht wegen Karlsfeld den Kopf zerbrochen, sei aber zu keinem anderen Ergebnis gekommen. Nach wie vor meine er, er sei nie in Karlsfeld stationiert gewesen. Er schäme sich wegen seiner Vergesslichkeit. 10)
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1) Hauptmann Morgenstern, SS-Kommandoführer des Lagers Rothschwaige. Nicht ermittelt.
2) Fritz Degelow, * 25.2.1898, SS-Sturmbannführer, Kommandeur des SS-Wachbataillons Dachau und Lagerkommandant des russischen BMW-Kriegsgefangenenlagers an der Dachauer Straße, zum Tod verurteilt im 1. Dachauer Prozess, später begnadigt zu 10 Jahren Haftstrafe. Vgl. IMT Case No. 000-50-2 (US vs. Martin Gottfried Weiss et al) Tried 13 Dec. 45.
3) Geldbesitz war verboten.
4) Christof Knoll, * 20.4.1895, # 45061, Schneidermeister, Sch., gesch., 2 Kinder, Deutscher. Kapo.
5) Josef Zepf, * 21.5.1913, # 25468, Händler, Sch., AZR, led., 3 Kinder, kath., Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.7\ZAL-ZIF\1174. Zepf wurde am 19.3.1941 mit 12 weiteren Häftlingen aus dem KZ-Buchenwald in Dachau registriert. Vgl. ITS 1.1.61\0001-0189 \0028\0105. Ab 12.9.1944 Hilfs-Kapo im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld („Judenlager“). Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0141\0027.
6) Alfred Kerner
7) SS-Rapportführer Kirsch, nicht ermittelt.
8) Johann Kastner, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34817/1, Blatt 341 ff.
9) Oswald Pohl, * 30.6.1892 in Duisburg; † 7.6.1951 in Landsberg, General der Waffen-SS, ab Februar 1942 Leiter des neugeschaffenen SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes (WVHA), dort auch der Amtsgruppe W (Wirtschaftliche Unternehmen).
10) Johann Kastner, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34817/1, Blatt 341 ff., Johann Kastner, Vermerk (zur Zeugenvernehmung Kastner vom 18./19.1.1977).
