„Von 1928 bis 1933 war ich Mitglied der SPD. Am 23.10.1937 wurde ich in Nürnberg von der Gestapo festgenommen. Bis Anfang Januar 1938 befand ich mich in Schutz- bzw. Untersuchungshaft. Im Anschluss daran erfolgte meine Überstellung in das KL-Dachau, wo ich bis Anfang des Jahres 1939 verblieb. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich vom Amtsgericht in Schwabach wegen Diebstahls – begangen vor 1933 - zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Strafe verbüßte ich größtenteils in Ebrach und in St. Georgen in Bayreuth. Ende des Jahres 1941 - nach Verbüßung meiner Gefängnisstrafe - kam ich wieder in das KZ-Dachau zurück. Dort verblieb ich bis Oktober 1943. Im Anschluss daran [1] wurde ich in das KL Nebenlager Allach verlegt, wo ich etwa 1 Jahr inhaftiert war. Anschließend kam ich in das Nebenlager Trostberg, [2] wo ich in den BMW-Werken arbeiten musste. Kurz vor Kriegsende wurden wir Häftlinge wieder nach Allach verschubt und von dort aus begannen wir unseren Evakuierungsmarsch in das Gebirge. Als wir Häftlinge uns in Starnberg befanden, ergriff ich die Flucht. Im alten Lager war ich im Block 9 und im neuen Lager in den Blöcken 5 od. 7, 6, 4 und in weiteren mir nicht mehr erinnerlichen Blöcken untergebracht. Als politischer Häftling trug ich im Lager einen roten Winkel. Während meiner Inhaftierung im KL-Dachau war ich zuerst dem Kommando ,Lageraufbau‘, Kanalisation, Kiesgrube und dem Reinigungskommando zugeteilt. Bei meiner zweiten Einlieferung gehörte ich dem SS-Bekleidungslager an. Eine besondere Funktion hatte ich im Lager nicht. Im Nebenlager Allach arbeitete ich zum Teil im Lager und in den BMW-Werken.
Auf der mir vorgelegten Lichtbildmappe erkenne ich auf dem Lichtbild Nr. 10 den Beschuldigten Sebastian Eberl wieder. Als ich im Jahre 1938 in das Lager eingeliefert wurde, war Eberl glaublich SS-Oberscharführer. Meines Wissens war er zur damaligen Zeit Arbeitseinsatzführer. Im Nebenlager Allach ist er mir als Lagerführer in Erinnerung. Lagerkommandant war Jarolin.
Als Kapo sind mir noch nachfolgende Häftlinge in Erinnerung: Hans Rohr, [3] Bubi Streit [4] aus Frankfurt, Johann Meier [5] (phon.) aus Nürnberg, Willi Ness [6] aus Stuttgart und ein gewisser Störzer. [7]
Während meiner Inhaftierung im Nebenlager Allach war ich Augenzeuge mehrerer Erhängungen, die innerhalb des Lagers vorgenommen wurden. Mir ist kein einziger Fall bekannt, daß im Nebenlager Allach Häftlinge erschossen wurden. Tötungshandlungen durch Eberl sind mir nicht bekannt.“ [8]
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[1] Schreibstubenkarte: ITS 1.1.6.7\GROSSI-GUIH\1605.
[2] Das KZ-Außenlager Trostberg war im Zuge der Verlagerung der Motorenproduktion ab Herbst 1944 auf dem Gelände der süddeutschen Kalkstickstoffwerke entstanden. Trostberg war das „zweitgrößte Außenwerk“ von Allach und stellte für den 801-Motor Kurbelgehäuse her. Dort arbeiteten etwa 900 KZ-Häftlinge von insgesamt 1.650 „Gefolgschaftsmitgliedern“.
[3] Hans Rohr, * 7.10.1905 in Nürnberg, # 903 und 18617, Schreiner, Sch., led., 1 Kind, Deutscher. Kapo, befand sich seit dem 10.9.1938 in verschiedenen Konzentrationslagern. Vgl. ITS 1.1.6.7\ ROG-ROSF\0191.
[4] Jakob Streit, * 21.8.1909 in Frankfurt am Main, # 36424, Kaufmann, AZR, led., kath., Deutscher. Befand sich seit 27.2.1942 in verschiedenen Konzentrationslagern und gelangte über das KZ Groß-Rosen nach Dachau-Allach. Vgl. ITS 1.1.6.7\STOC-SUC\0722.
[5] Johann Meyer * 31.1.1900 in Nürnberg, # 45215, Schlosser, PSV, Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.7\MERO-MILC\0495. Von Natzweiler kommend seit 5.3.1943 in Allach.
[6] Willy Nees, * 20.10.1907 in Herne, # 1343, 9635, Bäcker, Sch., led., kath., Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.2\NASl-NEUMANN\O0068436\.
[7] Karl Störzer, * 10.6.1912 in Prag, # 111015, Beamter, Sch., led., Tscheche. Vgl. ITS 1.1.6.7\STOC-SUC\0041. Störzer wurde am 22.9.1944 von Natzweiler nach Dachau überstellt.
[8] Günther Otto, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814, Blatt 254 ff.
