KZ-Häftling im KZ-Außenlager Dachau-Allach
Ferdinand Karpik, * 11.5.1923 in Posen, # 2021, 5423, Operationshelfer, Sch., led., kath., Pole. Wurde am 20.4.1940 in Posen verhaftet und anschließend von der Stapo Posen am 25.4.1940 in das KZ-Dachau überstellt. Nach eigenen Angaben wurde er Mitte des Jahres 1943 von dort in das Außenlager Allach überstellt, um im Krankenbereich als Revierpfleger zu arbeiten. Am 20.10.1944 wurde er von dort in das KZ-Buchenwald überstellt, von dort in das Lager Mittelbau-Dora überwiesen.
„Am 20.4.1940 wurde ich in Posen von der Gestapo festgenommen. Am 25.4.1940 wurde ich in das KZ-Dachau eingeliefert, wo ich bis Mitte des Jahres 1943 verblieb.
Von diesem Zeitpunkt ab bis Pfingsten 1944 befand ich mich im Nebenlager Allach. Im Anschluss daran wurde ich in das KL-Dora (Mittelbau) verschubt. Dort war ich bis zur Evakuierung des Lagers inhaftiert. Als wir uns auf dem Transport in Richtung Bergen-Belsen befanden, wurden wir am 11.4.1945 von den amerikanischen Truppen befreit. 25. April 1940 Mir ist es heute nicht mehr möglich zu sagen, in welchen Blöcken 1) ich im KL-Dachau untergebracht war. Erinnerlich ist mir nur noch der Block 14. Anfang 1941 kam ich als Pfleger in das Krankenrevier, wo ich als Operationshelfer in der chirurgischen Abteilung eingesetzt war.
Im Lager trug ich einen roten Winkel mit einem ,P‘. Meine Häftlings-Nr. war 5423. Einen Spitznamen hatte ich im Lager nicht. Während meiner Inhaftierungszeit in Allach war ich im Revier untergebracht. Ich war dort als Oberpfleger (Kapo) eingesetzt. Ein gewisser Untersturmführer Barbor 2) war Lagerarzt von Allach. Häftlingsarzt war ein gewisser Olejniczak, 3) der Pole war. Dieser lebte noch vor einigen Jahren in Polen. Zahnarzt war ein gewisser Jüdel Werner, 4) der in Bad-Nauheim wohnhaft war bzw. ist. Revierschreiber war eine kurze Zeit der spätere österreichische Minister Franz Olah. 5) Erinnerlich ist mir noch, dass im Revier zwei polnische Häftlinge, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, tätig waren.
Auf der mir vorgelegten Lichtbildtafel glaube ich auf den Bildern Nr. 3 und 10 den Beschuldigten Eberl wieder zu erkennen. Im Stammlager Dachau habe ich Eberl nicht gekannt. Als ich vom Nebenlager Allach wegkam, war Eberl noch mit Bestimmtheit dort. Eberl war im Nebenlager Allach Lagerführer. Lagerkommandant war Jarolin, Lagerältester Willi Scholler. 6) Ich selbst kann über Eberl nichts Nachteiliges angeben. Persönlich hielt ich ihn für einen nicht normalen, krankhaften Menschen. Konkrete Angaben über Tötungen von Häftlingen durch Eberl im Nebenlager-Allach kann ich nicht machen.
Während meiner Tätigkeit im Nebenlager-Allach sind mir keine Hinrichtungen bekannt. Ich schließe jedoch nicht aus, dass solche trotzdem stattfanden. Konkret kann ich mich daran nicht erinnern, dass von mir oder den anderen Revierpflegern erschossene Häftlinge in den Leichenkeller verbracht wurden. Bemerken möchte ich, dass alle Todesfälle im Revier registriert wurden. Das Revier verständigte in diesen Fällen die Lagerschreibstube und den Arbeitseinsatz. Mir wurde auszugsweise die Vernehmung des Zeugen Krämer 7) (Bl. 101 -103) vorgelesen. Dieser Fall ist mir völlig unbekannt. Ich kann dazu keine Angaben machen. Der polnische Häftling Lason, 8) der jetzt in Warschau lebt, war von Anfang bis Ende des Bestehens des Nebenlagers Allach in der Lagerschreibstube bzw. im Arbeitseinsatz tätig. Dieser könnte vielleicht allgemein über die Lagerverhältnisse nähere Angaben machen. Lason ist Leiter der Gemeinschaft der polnischen Dachau-Häftlinge. Seine Anschrift werde ich schriftlich nachreichen.“ 9)
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1) Als Block bezeichnete man eine einzelne Pferdestall- oder Steinbaracke.
2) Karl Babor, * 23.8.1918 in Wien; † 21.1.1964 bei Addis Abeba, SS-Lagerarzt in Allach, SS-Hauptsturmführer (1944).
3) Antoni Olejniczak, * 5.1.1904 in Litzmannstadt, # 42587, Arzt, Sch., verh., 2 Kinder, kath., Pole. Vgl. ITS 1.1.6.7\NOWO-OQ\1033.
4) Werner Jüdel, * 22.9.1908 in Hannover, # 30216, Zahnarzt, Sch., led., ev., Deutscher, Werner Jüdel wurde bis 18.10.1942 als Jude geführt. Vgl. ITS 1.1.6.7\JEF-JUQ\1474.
5) Franz Olah, * 13.10.1910 in Wien, # 1074 und 13802, Klaviermechaniker, Sch., led., kath., Österreicher. Vgl. ITS 1.1.6. 7\NOWO-OQ\0961.
6) Wilhelm Scholler, * 31.8.1915 in Augsburg, # 1097 und 34568, Hilfsarbeiter, Sch., led., Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.7\SCHU-SCHQ\1519.
7) Karl Krämer, * 9.1.1907 in Friedberg im Taunus, # 1958, Sch., Flugzeugführer, gesch. 1 Kind, ev. Deutscher. Vgl. ITS 1.1.6.7\KOVACS-L-KRAUQ\1064.
8) Stefan Lason, * 29.6.1910 in Krakau, # 46077, Beamter/Gärtner, verh. kath., Pole. Vgl. ITS 1.1.6.7 \NACHTRAG01\2118.
9) Ferdinand Karpik, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 114 ff.
Bild: Häftlings-Personalkarte ITS 1.1.5.3., Signatur: 01010503 oS, Buchenwald, ITS Digital Archive.
