BERICHT Dr. Boutbien, 171 rue de la Glacière, MONTGERON (S & 0)
verschleppt in das Lager Allach und repatriiert 1)
„BEGRIFFSERKLÄRUNG
I. Für einen normalen Menschen ist es schwierig, sich ein Konzentrationslager, das in der deutschen Umgangssprache mit zwei Buchstaben als „KZ“ bezeichnet wird, genau vorzustellen. Es ist aus mehreren Gründen schwierig. Wenn ein Mensch nach den Prinzipien unserer Zivilisation, gemäß den elementaren, humanitären Grundsätzen des Christentums erzogen wurde, kann er den Erzählungen der Opfer nur sehr schwer Glauben schenken, denn der Horror, der Sadismus, das Übermaß an Raffinesse in dem Leiden übersteigt jede Vorstellung. Außerdem haben die Nazis ihre Verbrechen nach außen hin so geschickt vertuscht, dass ein Fremder, der vor zwei oder drei Jahren ein Konzentrationslager besucht hätte, über die Ordnung und Sauberkeit, die dort herrschte, überrascht gewesen wäre. Wenn ein Jurist sich in die Fälle der Hinrichtungen vertieft hätte, hätte er Motive gefunden, die wenn auch nicht gültig, zumindest ausreichend gewesen wären, um die Urteile zu rechtfertigen. Wenn ein Arzt die medizinischen Unterlagen studiert hätte, hätte er leicht auf normale Todesursachen geschlossen. Ein großer Schleier umgab die KZ und die SS lüftete ihn nicht. Die SS versuchte, ihren Verbrechen einen rechtlich einwandfreien Anschein zu geben – ein charakteristischer Zug der hitlerischen Heuchelei.
1. Die Konzentrationslager, die wir abgekürzt als KZ bezeichnen werden, gab es seit Machtergreifung 1933, sie dienten ab da als Vernichtungslager für Demokraten, Revolutionäre und deutsche Juden. Die Reputation des Lagers in Dachau stammt aus dieser Zeit. In ein KZ eingeliefert zu werden war Synonym für den sicheren Tod - bis auf einige wenige Überlebende, die es uns gelang im Lauf unserer Inhaftierung zu finden. Die Qualen, die die ersten KZ-Insassen erdulden mussten, übersteigen jegliche Vorstellung. Man muss Augenzeugen gehört oder selbst in einem KZ gelebt haben, um das zu glauben. Wenn wir hier von dieser Zeit sprechen, so geschieht dies weniger um von den Fakten, die dort passierten, zu berichten, sondern vielmehr, um den Schrecken zu erklären, den die KZ dem deutschen Volk einflößten - was mit ein Grund für das lange Schweigen war. Unsere Rolle besteht darin, objektive Berichterstatter dessen zu sein, was wir selbst erlebt haben, und wir glauben, dass dies an sich schon aufschlussreich genug ist.
Eine Verbesserung der Lage in den KZs begann mit dem sowjetischen Sieg in Stalingrad. Ab dieser Zeit, und erst ab dann, befand sich Deutschland vor einem wirklichen Problem. Es wurde gezwungen seine Politik der systematischen Vernichtung und der Zwangsarbeit in den KZ zu ändern. Aber wenn diese neue von Himmler vorgegebene Politik auch geringfügig das Leben verbessert hat, so blieb die Sterberate weiterhin sehr hoch, denn die unglücklichen ‚Häftlinge‘ wurden nicht mehr durch klassische Methoden getötet, sondern durch ununterbrochene Arbeit ohne ausreichende Ernährung.
Im Prinzip schickten die Nazis die in die KZ, die entweder von einem ‚Volksgericht‘ oder einem ‚Sondergericht‘ verurteilt worden waren aber auch alle gemeinrechtlich verurteilten Sträflinge; Mörder, Diebe, Betrüger deren Rückkehr in ein normales Leben als nicht wünschenswert eingestuft wurde. Aber seit Kriegsbeginn wurden die Insassen der überfüllten Nazi-Gefängnisse in den besetzten Ländern direkt an die KZ weitergegeben, ohne Verfahren oder eine reguläre Verurteilung durch ein ordentliches Gericht. Überzeugt davon, den Krieg zu gewinnen, glaubten die Nazis bereits daran, die Welt zu beherrschen und demzufolge der internationalen Justiz keine Rechenschaft ablegen zu müssen, und so scherten sie sich nicht um ihre Verbrechen.
Das KZ war ein internationales Lager, alle Nationen waren vertreten, man sprach alle Sprachen. Die Häftlinge wurden in zwei Klassen eingeteilt, die man an der Farbe des Dreiecks, das jeder Häftling unter seiner Nummer trug, erkannte: die roten Dreiecke waren die politischen Häftlinge, die schwarzen Dreiecke die Arbeits-Häftlinge (darunter verstand man die Sympathisanten und Komplizen), die rosa Dreiecke die Homosexuellen, die lila Dreiecke die Bibelforscher, eine religiöse Sekte die gegen Hitler war. Die Juden trugen den Davidstern in Gelb auf einem roten Dreieck, seit einem Jahr nur noch eine einfache gelbe Armbinde mit einem Dreieck. Aus welchem Grund auch immer die Häftlinge im KZ gelandet waren, sie wurden in Kategorien eingeteilt, die verschiedenen Regeln unterlagen.
Die 1. Kategorie war die am besten Gestellte: Recht auf Haare, Recht auf Korrespondenz und Pakete, nur geringfügige Kleidungsordnung. Diese Häftlinge besetzten die wichtigsten Posten des Lagers und waren meistens Deutsche.
Die 2. Kategorie bestand aus der großen Masse der Häftlinge. Sie hatten das Recht auf Korrespondenz auf besonders präpariertem Papier und in begrenzter Anzahl. Sie hatten das Recht auf Pakete aber sie trugen die Haare kahlgeschoren, oder in manchen Fällen mit der Haarschneidemaschine in Streifen a 2 cm Breite mit Scheitel geschoren. Die Häftlinge nannten die Frisur „die Straße“.
Wir gehörten der Kategorie der „NN“ an, abgeleitet war von „Nuit“ (Nacht) und „Nuages“ (Nebel). Die Deutschen haben die Angewohnheit, erfundene Namen für ihre Klassifizierungen zu verwenden. Dies bedeutete natürlich alles. Wir waren dem Ermessen und der Macht dieser Verbrecher ausgeliefert. Wir waren immer kahlgeschoren, bekleidet mit bunter Kleidung, versehen mit roten Kreuzen, roten Bändern, von weitem sichtbar. Jegliche Korrespondenz, jedes Paket, selbst die vom Roten Kreuz, waren uns untersagt. Wir durften keinen Kontakt zu den Zivilisten haben. Im Lager Natzweiler waren die NN in einem Sonderblock untergebracht, umgeben von Stacheldraht. Auch in Dachau hatten wir nicht das Recht im Lager zu schlafen oder zu rauchen - selbst Wundversorgung oder Krankenstation waren verboten.
In dieser Kategorie der NN waren die Männer, die für die Vernichtung vorgesehen waren. Ein absolutes Verbot galt für alle Häftlinge Besucher zu empfangen. Nur deutsche Eltern hatten die Möglichkeit ihren toten Sohn zu sehen. Und auch für diesen Anlass ging die Verlogenheit der Nazis sehr weit. In einem speziellen, sehr sauberen Raum in der Nähe des Lagers war der Körper aufgebahrt, bedeckt mit weißen Laken. Von dem Opfer, das nicht mehr sprechen konnte, ging keine Gefahr mehr aus. Und diese Gunst wurde nur den Deutschen gewährt. Alle toten Gefangenen wurden eingeäschert. Das Krematorium stellte den Mittelpunkt eines KZ dar. Sein hoher Schornstein überragte die Baracken und der Wind drückte den Geruch des verbrannten Horns auf uns herunter. Die Kremierung geschah in zwei Stunden, vier Körper wurden gleichzeitig verbrannt. Die gemischte Asche wurde dann willkürlich in Urnen eingefüllt. Deutsche Familien konnten gegen Zahlung eines Betrags von 30 RM die Asche bekommen. Während die Familien der NNs nicht einmal von unserem Tod unterrichtet wurden. Die Abteilung der Einäscherung war überlastet, es gab häufig Durcheinander. Eine deutsche Familie, die die Asche ihres Sohnes angefordert hatte und die gewünschte Zahlung geleistet reklamierte, weil die Urne nicht kam. Da die gewünschte Urne in der Einäscherungs-Abteilung nicht gefunden wurde, schickte man eine andere mit ausgetauschtem Etikett.
Zwischenzeitlich kam die erste Urne an, die normal abgeschickt aber durch einen Fehler der Post verzögert worden war. Die Familie war erschüttert, aber tatsächlich enthielt weder die eine noch die andere dieser zwei Urnen die Asche ihres Angehörigen.
Ein KZ ist somit um das Krematorium als Mittelpunkt gebaut. Das Feuer reinigt und verwischt alle Spuren der Verbrechen. Gehängt, erschossen, vergiftet, verhungert, schwindsüchtig, erdrückt, verwechselt! Der Rauch des Krematoriums war und wäre die einzige Befreiung gewesen, wenn der Nazismus triumphiert hätte.
Nun einige Worte zur Administration des KZ. Die Leitung war in den Händen der SS, assistiert von einer politischen Fachgruppe. Der Lagerkommandant hatte den Rang eines Offiziers: Hauptsturmführer, Sturmbannführer etc. (...) Dies galt zumindest für die wichtigeren Lager. Aber die Leitung der Häftlinge, die innere Ordnung wie Disziplin, die Vernichtung, wurde den unteren Rängen übertragen - Unterscharführer, Oberscharführer, Hauptscharführer. Jedem Block stand ein SS-Mann - meist ein Rottenführer - vor. Das war der Schläger! Aber der große Trick der Nazis war es, einen Teil der Häftlinge dafür zu nutzen, die niedrigen Aufgaben zu erledigen. Meist wurden sie unter den Häftlingen mit grünen oder schwarzen Dreiecken ausgesucht. Die Häftlinge unterstanden dem Kommando eines Lagerchefs - dem „Lagerältesten“, dem eine Gruppe von „Lager Capos“, „Capos“ etc. assistierte. Dies waren die Schläger, die wirklichen Mörder. Als Belohnung für ihre Verbrechen genossen sie materielle Vorteile und das Vertrauen der SS. Sie prügelten ganz ohne oder aus grausamen Gründen Menschen tot. Es wird berichtet, dass ein USCHA (Unterscharführer), die Tätowierung von der Brust eines Häftlings zur Herstellung eines Lampenschirms haben wollte. Der Häftling wurde vom Capo umgebracht, die Haut ausgeschnitten und gegerbt. Die Person, die mir dies erzählte, bestätigte, diesen Lampenschirm kurz danach auf dem Schreibtisch des SS-Mannes gesehen zu haben. Es gab auch eine Zeit, in der ein Goldzahn im Mund das Leben kostete. Der Häftling wurde getötet, der Zahn ausgerissen und der SS übergeben. Sie verübten all diese Verbrechen, um einen sadistischen Trieb nach Blut und Verbrechen zu befriedigen. Die SS ließ sie lächelnd handeln. Jede Beschwerde gegen sie bedeutete das Todesurteil. Zuerst wurde sie mit Schlägen der SS beantwortet und anschließend im Block durch unerträgliche Brutalität bestraft, die selbst die Stärksten umbrachte.
Die politischen Gefangenen mussten einen langen und schwierigen Kampf führen. Unterstützung fanden sie in den militärischen Gegebenheiten, um diese kriminellen Elemente nach und nach zu beseitigen, allerdings mit sehr umstrittenen Methoden. Aber nicht alle wurden bereits bestraft. Sie sind in anderen Lagern untergetaucht oder sind zusammen mit den SS-Leuten bei der Ankunft der alliierten Truppen geflohen.
Wir werden jetzt die Lebensbedingungen in einem KZ darlegen. Es wurde früh aufgestanden: Um 4 Uhr früh im Sommer, um 5 Uhr im Winter. Die Reinigung des Blocks erfolgte durch die Gefangenen und dauerte ca. eine halbe Stunde. Dies lieferte selbstverständlich einen Vorwand bei jeder Gelegenheit:
Ein schlecht gemachtes Bett, eine unordentliche Decke, ein herausstehender Strohhalm boten Gelegenheit für heftigen Schlagstockeinsatz. Wir mussten anschließend vor dem Block strammstehen und so auf den Morgen-Appell warten, der im Sommer gegen 5 Uhr 45 und im Winter um 6 Uhr 45 stattfand.
Die Arbeitskommandos wurden dann zu Gruppen zusammengefasst. Die NN hatten immer die schwersten Arbeiten. Einige Kommandos verließen das Lager, begleitet von SS-Soldaten und Hunden, andere blieben in benachbarten Werkstätten. Sobald der Arbeitsplatz erreicht war, egal wie spät es war, musste man sich schnell ausziehen und im sich Laufschritt ein Werkzeug greifen. Die Hunde hingen schon an den Waden, die SS-Leute nahmen den Stiel einer Hacke und schlugen auf die Verspäteten ein. Die Arbeit begann in einem sehr schnellen Takt, die Förderwagen wurden beladen und wir schoben sie im Laufschritt zum Verdamm. Die „Capos“ brüllten und prügelten, die SS-Leute prügelten, die Hunde bissen.
Gegen 9 Uhr gab es eine kleine Pause um 2 Scheiben Brot zu essen. Manchmal musste man verschnaufen. Doch wehe dem, der dabei gesehen wurde; er wurde wegen Sabotage mit 25 Stockschlägen auf das Gesäß bestraft. Wenn ein Kamerad schwächelte, wurde er vom „Capo“ mit Stockschlägen aus dem von Wachposten bewachten Bereich gejagt und wegen Fluchtversuchs wie ein Hund erschossen! Außerdem brauchte es jeden Morgen Opfer, die Anzahl wurde insgeheim bei Abmarsch zwischen den SS-Leuten und dem „Capo“ festgelegt. Die Intellektuellen wurden besonders anvisiert; desgleichen ältere Männer mit schwacher Konstitution. Das große Reich konnte keine Häftlinge ernähren, die ihm nichts einbrachten. Mittags kehrten manche Kommandos zum Lager zurück zum Mittagessen, andere aßen am Arbeitsplatz. Aufgrund der langwierigen Appelle blieben uns genau 5 Minuten, um einen Liter glühend heißer Suppe herunterzuschlucken, die einem typischen Grundrezept folgte: Mal ein Kohlblatt, zwei- bis dreimal Futterrübe, mal ungeschälte Kartoffeln, ein oder zweimal Sauerkraut. Diese Suppen waren nicht sehr nahrhaft, sie enthielten so wenig Fleisch, dass man von Glück reden konnte, mal eine Haselnuss großes Stück zu entdecken. Die Sonntagssuppe war besser: Das war unsere einzige richtige Suppe: Wurst, Kartoffel, Erbsen. Diese von müden, genervten Männern im Stehen hastig heruntergeschluckte Mittagssuppe lag uns den ganzen Nachmittag schwer im Magen. Nach der Suppe Reinigungsdienst in 5 Minuten, dann erneut Strammstehen bis zum Abmarsch gegen 12h 45 zur Arbeit, die dann bis 18h dauerte. Jeder Mann wurde im Lauf eines so langen Arbeitstages geschlagen, manchmal mehrfach. Abends kehrten wir erschöpft zurück. Doch dann gab es noch keinen Schlaf. Wir waren dann Opfer der Launen des Block-Chefs, der sich eine Reihe von Maßnahmen einfallen ließ, die das Ziel hatten, uns schnellstmöglich umzubringen: Wir mussten springen, laufen, ins Wasser tauchen, bis zu einer Stunde im Gleichschritt marschieren, die Betten machen.
Wenn ein Häftling beim Appell fehlte, mussten wir so lange strammstehen, bis er gefunden wurde. Manche mussten so bis zu zwei ganzen Tagen ausharren. Die Zahl der Toten muss ich nicht nennen. Ich selbst musste nur eine Nacht so verbringen, der unglückliche Flüchtling wurde am nächsten Morgen gefunden.
Endlich kam dann das Abendessen: 350 gr. Schwarzbrot und je nach Tag 20 gr. Margarine oder eine Scheibe Wurst. In den letzten Tagen hatten wir nur noch 150 gr. Brot pro Abend. Um 9 Uhr ging man schlafen, manchmal auch später. Bei dieser „Diät“ ging die Abmagerung rapide; der Kräfteverlust senkrecht; die körperliche Erschöpfung komplett. Männer über 50 widerstanden dem nicht, die Jungen unter 20 litten unter massiver Tuberkulose, die sie binnen weniger Tage umbrachte. Manche wurden Opfer der homosexuellen Neigung der Capos und wurden geschont und besser genährt. Dieses Zusammenleben mit so vielen Verbrechern und die moralische Verderbtheit der jungen Männer, die Hunger hatten, war eine der tragischen Seiten unserer Gefangenschaft.
Wir waren im Lauf der Zeit für unser eigenes Elend unempfindlich geworden, uns allen erschien der Tod als die einzige Befreiung. Dabei waren wir so begierig nach Neuigkeiten! Mit welcher Ungeduld hatten wir die Befreiung der sowjetischen Zone verfolgt, den Krieg in Afrika, die Landung in Italien und später den siegreichen Sturm der Amerikaner in Europa, den Sieg im Atlantik; mit wie viel Freude hatten wir erfahren, dass Frankreich wieder seinen Platz in der Welt eingenommen hat; unsere Opfer, wenn auch unbedeutend und vergessen, waren nicht vergeblich.
Wir werden das Leben im KZ nicht im Detail aufzeigen. Wir wollen unseren Landsleuten aber vermitteln, dass - neben diesem harten täglichen Lebens- und Überlebenskampf - uns ein Klima voll Ungeduld und Gier nach Neuigkeiten umgab. Wir brauchten Neuigkeiten um, uns Lebenswillen zu geben. Unser Stolz war unermesslich, als wir erfuhren, welch bedeutende Rolle die Partisanen - deren Pioniere wir waren - bei der Befreiung Frankreichs gespielt hatten.
Wir waren ohne Zweifel hungrig, aber wir waren noch hungriger zu erfahren, wo „sie“ standen!
Nun sei es uns erlaubt, unsere persönlichen Erinnerungen zu erwähnen. So viele grausame Bilder vor uns wieder aufleben zu lassen ist schmerzhaft. So viele Kameraden fehlen heute, so viele Opfer haben ihre ganze Energie eingesetzt, ohne dass ihnen erlaubt war, diesen Tag zu erleben!
Wir sind im KZ von Natzweiler, nahe Rohau im Elsass, mit drei Konvois angekommen. Franzosen aus Fresnes am 9., 12. und 15. Juli 1943. Wir waren die ersten NN, die in Natzweiler ankamen. Wir waren zu zweit aneinander gekettet gereist. Sobald wir in dem Bahnhof von Rohau angekommen waren, begann unser Martyrium.
Wir wurden von SS-Leuten, die am Bahnhof warteten, gejagt, misshandelt und verprügelt. Einer der Kameraden aus meinem Abteil, Villard 2 aus Lyon, verhedderte sich in den Weichen und fiel auf das Gleis. Die SS-Leute pöbelten ihn an, verprügelten ihn, stahlen ihm eine goldene Uhr, die er in der Tasche trug, und rissen ihm einen goldenen Siegelring vom Finger.
Die Ankunft im Lager war tragisch: Es lag auf einem abgeholzten Hang eines Berges auf ca. 1.000 Meter Höhe. Es war spät und die rasierten Schädel der Häftlinge sowie die Grimassen der SS-Leute flößten uns Grauen ein. Man ließ uns wissen, dass jeder Fluchtversuch sofort mit dem Tod bestraft würde. Wir wurden nackt ausgezogen, all unsere persönlichen Dinge, alle Uhren und Ringe wurden konfisziert. Wir wurden überall rasiert. Man kontrollierte, ob wir nicht etwas im Mund oder dem After versteckt hatten. Nach der Dusche wurden wir nackt in den Block gebracht und dort bekleidet. Die ganze Nacht wurde uns verboten, zu schlafen. Wir mussten die nötigen Näharbeiten an unserer neuen Bekleidung vornehmen. Einer unserer Kameraden, Dupre 3 aus Lyon, Teilnehmer des letzten Krieges, Rächer von Gynemer, hatte einen epileptischen Anfall. Wir mussten ihn in Bogenform auf eine Kiste legen. Während der gesamten Nacht verteilte der Blockchef, ein ehemaliger deutscher Legionär, unzählige Schläge.
Und so sah die Vorstellung aus, die in dem Gedächtnis all derer eingraviert blieb, die sie gesehen haben. Die Vorstellung begann am Folgetag der Ankunft des Transports um 7 Uhr. Alle SS-Leute des Lagers waren anwesend. Es regnete. Jeder Gefangene wurde mit einem schweren Stein beladen und man zwang ihn, im Laufschritt den Hang an dieser sehr rauen Stelle des Berges hinaufzulaufen. Alle 5 Meter schlug ein SS-Mann im Vorübergehen, die gegen uns aufgehetzten Hunde bissen. Am Gipfel angekommen mussten die Steine abgelegt werden und zurück nach unten gelaufen werden. Schon bei den ersten Läufen fielen viele von uns hin. Die SS-Leute schlugen mit Gewalt zu, auf die Brust, den Unterleib, den Kopf, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich ohnmächtig sind. Die Unversehrten mussten ihre bewusstlosen Kameraden zusätzlich zu den Steinen tragen. Und je mehr wir in Schwierigkeiten waren, desto mehr Schläge gab es. Um 10 Uhr morgens lagen 50 von 58 Männern ohnmächtig auf dem Gelände. Da hörten die SS-Leute auf. Wir mussten alle ohnmächtigen Männer in den Block zurückbringen und sie ausziehen, ihre Kleidung unter fließendem Wasser waschen und ihnen sofort wieder die nasse Kleidung anziehen. Mittags waren wir dann vor Kälte schlotternd zum Appell versammelt.
Hier die Namen der SS-Leute, die sich an diesem wie an den folgenden Tagen besonders hervorgetan haben: Der Uscha (=Unterscharführer) Hermann STRAUTE aus Saarbrücken, verantwortlich für den Innendienst des KZ von Natzweiler, zuletzt Kommandoführer in Dautmergen, dann in Bisingen (Württemberg) - der Mörder Nr. 1 der Franzosen. Rottenführer EULER, Kommandoführer im Steinbruch, seit einem Jahr Kommandoführer von Schörzingen (Württemberg), wo er die Serie seiner Verbrechen fortsetzte. Ein gefährliches Individuum, ein Gangster in seiner ganzen Bedeutung, wurde am 10. April 1945 mit unbekanntem Ziel versetzt. Wurde ersetzt durch den Distriktchef, den Untersturmführer von Schömberg. Uscha FUCHS, Nazi der ersten Stunde, ca. 40, stammt aus Baden, verantwortlich für den Innendienst des Lagers. Mörder der Franzosen. Hat mehrere von uns erschossen. War verantwortlich für 8 Tote durch Erschießen in den ersten Tagen nach unserer Ankunft. War immer sehr brutal. Wurde Kommandoführer in Rastatt vor etwa anderthalb Jahren.
Uscha WAGNER, der nicht ganz so heftig wie die Vorgenannten vorgegangen ist, aber dennoch an dem Schlagstockeinsatz beteiligt hat. Hauptscharführer SEUSS, 4 Rapportführer, unglaublich brutal, Mörder, hat immer die Wachen gegen uns aufgehetzt, schlug uns mit unglaublicher Rohheit. Starb angeblich bei einem Motorradunfall. Sein Bruder war Kommandoführer in Schömberg von Ende 43 bis Oktober 44. Dieser Bruder war ebenfalls Hauptscharführer und ein Mörder. Er misshandelte alle Häftlinge. Er wurde 1900 oder 1902 in Nürnberg geboren. Wir wollen auch auf die Brutalität der SS-Leute, die für den Wachdienst zuständig waren, hinweisen. Sie trugen die Plakette der Feldgendarmerie auf der Brust. Wir wollen darauf hinweisen, dass der Sturmscharführer Paul OLESCH, 5 wohnhaft in Dobeln bei Leipzig, Auskünfte über diese Kriminellen liefern könnte. Er war von Juni 1944 bis April 1945 Kommandoführer in Erzingen. Über ihn können wir uns nicht beklagen, er war in seinem Verhalten uns gegenüber sogar menschlich, aber wir wissen, dass er all die SS-Leute, die wir genannt haben, sehr gut kannte. Er ist der Einzige, von dem wir eine Privatanschrift bekommen konnten. Er soll z.Zt. Gefangener der Freien französischen Kräfte sein. Hier nun einige Fakten, die wir entweder selbst gesehen haben oder deren Opfer wir waren:
(1) Den Franzosen wurde der Zugang zur Krankenstation von Juli bis November verboten. Bis 15. August war jede Pflege unmöglich. Wir mussten unsere verletzten oder kranken Kameraden auf den Schultern zu der Arbeitsstätte tragen. Dort mussten sie wie wir ihre Jacke ausziehen und auf dem Boden liegen, in Hemdsärmeln, bei jedem Wetter, ob Regen, Wind oder Kälte.
Die meisten sind selbstverständlich sehr schnell an Lungenerkrankungen gestorben. Aber außer dieser schlechten Behandlung mussten sie mittags auf dem Appellplatz bleiben und hatten kein Anrecht auf Suppe. Sie mussten sich somit mit einer täglichen Ration von 350 Gramm Schwarzbrot und 20 Gramm Margarine begnügen. Um die angeblichen Simulanten zu erkennen, legten die SS-Leute ihnen einen Stein unter die Nieren und einen anderen auf die Brust. Der erschöpfte Kamerad konnte nicht mehr atmen. Häufig während des Tages kamen die SS-Leute, um die Kranken zu prügeln, sie wählten mit Vorliebe die verletzten Stellen aus, um darauf einzuschlagen. Den SS-Mann Herrmann STRAUTE habe ich mehrfach beobachtet, wie er auf dem Körper der sterbenden Kameraden tanzte und auf ihre Rippen mit der Spitze seines Stockes einschlug. Auch den Capo habe ich beobachtet, wie er systematisch alle Kranken schlug und sich auf sie oder ganz nah an ihre Gesichter setzte und sie zwang, einen ganzen Tag inmitten des Mülls liegen zu bleiben. Dank der Solidarität eines Krankenpflegers, einem deutschen politischen Gefangenen, konnten wir uns etwas Verbandsmaterial besorgen.
Abends oder nachts haben wir heimlich unsere Kameraden verbunden. Ich habe brandige Wunden an den Beinen gesehen, geschwürartige Wunden mit großen entzündeten Ödemen, die aus Hundebissen resultierten. Die Wunden der Kranken, die tagsüber auf dem Boden lagen, wurden von Fliegen infiziert und bald waren die Wunden von zahlreichen Larven bevölkert. Unsere Kameraden Letlee, Rousseau, Perier und Nars hatten solche Wunden. Die ersten drei starben sehr schnell. Ich weiß nicht was aus dem 4. geworden ist aber als ich ihn verließ, waren seine Wunden verheilt, dank eines sehr breiten und präzisen Schnitts. Ödeme entstanden sehr schnell, die Abmagerung war rasant und so erheblich, dass unsere Kameraden nicht wieder zu erkennen waren. Ich selbst habe im ersten Monat 10 kg verloren - der Gipfel der Ironie: Unser Gewicht wurde regelmäßig jeden Monat notiert.
(2) Um den 15. August sah ich wie 30 jüdische Frauen aller Nationalitäten sowie 70 Juden zwischen 24 und 60 Jahren in das Lager Natzweiler gebracht wurden. Ein Experiment kurz danach in Struthof überlebten sie, um dann in die Gaskammer gebracht zu werden. Eine Frau, die sich weigerte hineinzugehen wurde mit einem Revolverschuss getötet. Die anderen Frauen starben unter grauenhaften Qualen. Die Männer erlitten ein paar Tage später das gleiche Schicksal. Diese Experimente wurden von einem deutschen Arzt der Luftwaffe durchgeführt, der dafür extra in das Lager gekommen war.
(3) Am 15. August sah ich den Rottenführer EULER, der an diesem Tag das Kommando der Wache hatte, wie er dem Kamerad CAPET das Becken brach, indem er ihn drei Mal in einen Graben von mehr als 3 Meter Tiefe fallen ließ. Am gleichen Morgen brach er mit Stockschlägen den Unterarm der Kameraden Dupre und Belle. Diese zwei sind dann verstorben. Am gleichen Tag wurden 30 andere Kameraden - so auch ich - niedergeschlagen und ohnmächtig auf dem Gelände liegen gelassen. Die Verbissenheit der Nazis richtete sich besonders gegen die Intellektuellen.
Mittags sah ich wie 4 junge Russen gehängt wurden. Sie waren 22 Tage angekettet, Hände hinter dem Rücken, ohne dass ihnen jemals die Ketten abgenommen wurden, mit nur einer Mahlzeit alle 4 Tage. Ihr Vergehen: Fluchtversuch, den die SS-Leute als Versuch eines Aufstands auslegten.
(4) Alle Franzosen aus Natzweiler litten unter dem Block-Chef SCHROEDER Jack, einem ehemaligen Zuhälter von entsetzlicher Brutalität, der mehrere Kameraden getötet hat, insbesondere den Bürger Merklen. Sein Helfershelfer VALTIN war nicht mehr Wert sowie ein geflüchteter Wehrmachtssoldat dessen Name mir gerade nicht einfällt. Alle drei haben zu dem Tod unserer Kameraden beigetragen.
(5) Der Tod einiger Kameraden in der Krankenstation blieb suspekt: Sobald ein Bürger störte, verabreichte man ihm 10 Spritzen intravenös mit Chloroform, eine Injektion mit Benzin in das Hinterhauptbein. Der Tod kam sofort ... Das sind Beweise, um formell Anklage zu erheben, aber dazu muss man die Methode kennen. Diese wurde übrigens gegen Mörder oder ‚Capos‘ angewandt.
(6) Bei der Evakuierung von Natzweiler wurde ich zu einem externen Kommando geschickt. Ich betone die unmenschliche zynische und brutale Führung des Hauptscharführers SEUSS, Bruder des Schutzhaftlagerführers von Natzweiler, in dem Kommando von Schömberg. Ich erwähne, dass 5 politische Gefangene an der Mauer des Gemeindefriedhofs von Schömberg beerdigt sind, es sind Russen.
(7) Anschließend wurde ich zur Versorgung der Häftlinge von SCHÖRZINGEN, FROMMERN, DAUTMERGEN (alle zum Bezirk BALINGEN gehörig) gerufen. Ich lenke ganz besonders die Aufmerksamkeit der Behörden auf die Verbrechen von SCHÖRZINGEN, worüber Dr. Morel, mein Nachfolger, ausführlich Auskunft geben kann. Ich erwähne das entsetzliche Lager von DAUTMERGEN in dem Tausende Juden und Polen, Hunderte Franzosen seit 1944 den Tod gefunden haben. Die Lage war so entsetzlich in diesem Kommando, dass nach einem offiziellen Besuch des Obergruppenführers PAUL der Lagerkommandant und die gesamte Führung ausgetauscht wurden. Ich betone, dass diese Kommandos die Reste von Natzweiler darstellten. Ein Krankenlager wurde in BISINGEN eingerichtet. Dieses Krankenlager funktionierte sehr schlecht, es war in erster Linie ein Vernichtungslager in dem man unsere Kameraden, ohne sie zu versorgen sterben ließ. Das Kommando war ein Skandal. Zahlreiche Kameraden starben dort aufgrund der schlechten Versorgung, die sie dort erhielten.
Am Tag der Evakuierung am 7. April 1945 ließ der Kommandoführer Kranke mit über 40º Fieber, Schwerverletzte und kürzlich operierte in einem offenen Wagon evakuieren. Zu 100 pro Wagon eingepfercht schlossen sie sich dem Konvoi in SCHÖMBERG an. Dieser Zug war fast eine Woche unterwegs. Es gab 240 Tote.
In 30 Monaten Gefangenschaft habe ich ein Paket von YMCA 6 und eines vom Roten Kreuz erhalten, letzteres am 25. April 1945. Alle Fakten, die wir hier beschrieben haben, sind Fakten, die wir erlebt haben und die wir bezeugen können.
FAZIT
Es ist wichtig, dass in kürzest möglicher Zeit internationale Kommissionen die KZ besuchen und mit eigenen Augen das sehen, was davon übrig ist. Das ist sicher aussagekräftig genug. Es sollte in der Zukunft nicht die Annahme aufkommen, die Opfer seien befangen gewesen. Die Methoden, die in den KZ angewandt wurden, brechen komplett mit unserer gesamten Zivilisation. Vor allem das hat uns von den ersten Tagen an so stark betroffen gemacht. Dieser endgültige Bruch mit der Zivilisation. Keine wissenschaftliche Entschuldigung kann geltend gemacht werden, um die Experimente zu rechtfertigen, die an den gefangenen Männern und Frauen vorgenommen wurden.
Die Männer und Frauen hatten kein Verbrechen verübt, waren nie von irgendeinem Gericht verurteilt worden. Ihr Verbrechen waren ihre Rassen-Herkunft oder ihre politischen Ansichten. Diese Experimente waren nur vom Namen her wissenschaftlich. Sie wurden ohne Methode durchgeführt, waren von keiner Hypothese geleitet und wurden von keiner seriösen Labor-Untersuchung überprüft. Man experimentierte, um etwas auszuprobieren.
25 Portrait von Dr. Leon Boutbien zu seinem Geburtstag in Erzingen von Julien Lievevrouw 12.11.1944.
ie den Häftlingen zugefügten Misshandlungen können nicht entschuldigt werden. Einerseits müssen die deutschen Firmen, die die Arbeit der Häftlinge gegen geringe Bezahlung in Anspruch genommen haben, Rechenschaft ablegen. Die Kommandoführer, die sich durch Diebstahl der für die Häftlinge bestimmten Nahrungsmittel bereichert haben und diese auf dem Schwarzmarkt verkauft haben, müssen bestraft werden. All die, die Schuld am Tod unserer Kameraden tragen - die Wachen, die geprügelt haben, die zivilen Vorarbeiter, die sie mit der Arbeit umgebracht haben - müssen gesucht und bestraft werden. Bei diesen Recherchen müssen genau die Aussagen derer verwendet werden, die dort gelitten haben. Solche Ungeheuerlichkeiten hinterlassen bei den Überlebenden ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Sie wollen, dass alle Verantwortlichen bestraft werden. Einerseits die Deutschen, die Mitglied in den Hitler-Organisationen waren, andererseits auch die, die Frankreich verraten haben und in unserem Land die unserer Zivilisation widersprechende Methoden einführen wollten, die kollaboriert haben und mit den Mördern der französischen Patrioten sympathisiert haben. Die Leichenhaufen der KZ erfordern eine Bestrafung ohne Gnade all derer, die direkt oder indirekt an diesen Verbrechen m itgewirkt haben. Wir sind französische Patrioten. Wir sind kämpfende Bürger. Wir haben unser Leben in den Dienst der Verteidigung der bedrohten Freiheit unseres Landes gestellt. Seit Juni 1940 haben wir für die Befreiung unseres Landes gekämpft. Wir haben es akzeptiert, dass unsere Familien in eine schwierige Lage versetzt wurden, weil das Interesse der Heimat dies verlangte. Wir sind Menschen geblieben. Wir haben Kinder und Frauen, die wir schnellstmöglich wiedersehen wollen und von denen wir ohne Nachricht sind, manche sogar seit 3 Jahren. Wir haben jetzt das Recht, uns an die Regierung zu wenden mit der Bitte, unsere Repatriierung mit oberster Priorität zu beschleunigen. Wir sollten nicht vergessen, dass in unseren überfüllten Sanitätsstationen auch heute noch viele Franzosen sterben, die - obwohl befreit - nicht mehr das Glück haben werden, ihre Lieben wieder zu sehen.
Schlussendlich stellt uns der uns von uns am meisten geliebte Titel „KÄMPFER FÜR DIE FREIHEIT“ vor große Aufgaben. Wir wissen, dass das Land alle vereinten Kräfte seiner Söhne braucht, um die Schande des Verrats von 1940 und die Zerstörungen des Krieges zu reparieren. Wir wollen jeder in seinem Beruf unsere Arbeit mit so viel Sorgfalt ausführen, als würde die Zukunft unseres Landes von der Arbeit eines jeden abhängen. Wir kämpfenden Bürger, nach der härtesten Prüfung wieder frei, rufen unser Vertrauen in die Bestimmung und die Größe FRANKREICHS aus.“ 7
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1 Dr. Leon Boutbien, * 25.2.1915 in Paris, # 4463, 157398, Arzt, Sch., N.N., verh., 1 Kind, Franzose. Leon Boutbien wurde am 14.1.1943 in Dravail verhaftet, am 12.7.1944 in das KZ-Natzweiler-Struthof und von dort in das Lager Schömberg überstellt. Dort und im Außenlager Erzingen war er als Häftlingsarzt eingesetzt. Mit dem Transport aus dem Arbeitslager Erzingen kam er am 17.4.1945 im Außenlager Allach an. Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0134\0083.
2 Rene Villard, * 15.11.1905 in Sommevoir [Lyon] # 101242, Müller, Sch., Franzose. Villard wurde am 6.9.1944 von Natzweiler über Dachau in das Außenlager Dachau-Allach und von dort am 14.9.1944 nach Mauthausen überstellt. Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0141\0143.
3 Jean Louis Dupruilk, * 5.7.1889 in Lyon, # 78213, Sch., Franzose. Vgl. ITS 1.1.6.1\0001-0189\0056\0315.
4 Wolfgang Seuß, * 9.3.1907 in Nürnberg, † 27. August 1979 in Pfaffenhofen, Bauschlosser, kath., 1.3.1932 Eintritt in die NSDAP, seit 20.8.1933 als SS-Mann mit der SS-Nummer 87844 im KZ Dachau, 20.5.1934 Blockführer, 17.5.1934 SS-Sturmmann, 1.11.1937 SS-Oberscharführer, seit 1.5.1939 SS-Hauptschar- und Rapportführer, ab 13.9.1942 bis Kriegsende SS-Schutzhaftlagerführer im KZ Natzweiler-Struthof [Neckarelz]. Seit 1937 verheiratet, 2 Kinder. Bruder von Josef Seuß, ebenfalls SS-Schutzhaftlagerführer in Dachau, der im 1. Dachauer Prozess zum Tode verurteilt wurde.
5 Namensliste der SS-Kommandoführer der „Wüste-Lager“ in: Sign. 1937000, Dok.-Nr.: 82126127, ITS Bad Arolsen.
6 YMCA = Young Men's Christian Association, „Christlicher Verein Junger Menschen“ (CVJM).
7 Bericht Dr. Leon Boutbien, Archiv KZGSD. Aus dem Französischen übersetzt von Mariette Temme (alle Rechte dieser Übersetzung bei Klaus Mai (c) München 2026)
