KZ-Häftling im O.T.-Lager Rothschwaige und Allach-Karlsfeld
Dawidowitsch, Bernard: * 18.3.1926 in Alschokalinfalvo, (Karphatorussland), # 70968, Sch, Jude, ledig, Ungar, war am 4. Mai 1944 in Teitsche verhaftet worden und am 18. Juni 1944 in das KZ-Dachau überstellt worden.
„Anfang 1942 wurde ich mit meiner Mutter und vier Brüdern und einer Schwester nach Galizien - nach Stanislaw ins Ghetto genommen. Zu dieser Zeit war mein Vater mit erwachsenem Bruder zur Zwangsarbeit im Rahmen des ungarischen Heeres eingezogen. Etwa zur Zeit des Pessach-Festes 1943 wurden Mutter mit allen Geschwistern in Stanislaw mit fast allen Ghettoinsassen ermordet. Mir gelang die Flucht und ich kehrte in meine Heimat nach Karpathorussland zurück.
Etwa im April 1944 wurde ich mit meinem Vater, der inzwischen auch heimgekehrt war, mit den restlichen Juden von meinem Gebutsorte nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Nach Verlauf von etwa 3 Wochen wurde ich mit einigen hundert Juden vom ungarischen Sprachgebiete - zusammen mit meinem Vater nach Allach (Karlsfeld) überstellt. Auf Befragen denke ich, waren wir die ersten Juden, die nach Allach (Karlsfeld) hingebracht worden sind. Ich blieb in Allach bis kurz vor der Befreiung, dann wurden wir auf die Eisenbahn verladen. Ich wurde in der Eisenbahn in der Gemeinde Staltach durch Amerikaner befreit. (...)
Ich arbeitete im Laubwald-Kommando fast die ganze Zeit. Wir mussten Bunker bauen, wir hatten Gräben ausgehoben, die dann mit Beton ausgebaut worden sind. Auf Befragen weiss ich über den Lagerführer keine Einzelheiten zu bekunden. Er war in SS-Uniform, das ist alles was mir erinnerlich blieb. Wie ich mich erinnere, sprachen die Leidensgefährten, dass die Bewachung aus Wehrmachtseinheiten bestand. Bei der Arbeit hatten uns OT-Männer bewacht und die arbeiten geleitet. (...) Ich weiss, dass ein Teil der Lagerinsassen bei BMW arbeitete.
Etwa zwei Monate vor der Evakuierung des Lagers (Februar 1945) wurden die Geschwächten - in der Zahl etwa 100 - 150 Mann von dem Lager entfernt. Unter denen war auch mein Vater. Damals sah ich den Vater zum letzten Mal und soweit mir bekannt ist, kam keiner von denen zurück. (...) In Allach wurden die Häftlinge grausam gepürgelt. Mein Vater, der ins Lager als starker Mann gebracht wurde, ist schwer geprügelt worden. Dies geschah bei einem Appell (...). Mein Vater hat sich von den erhaltenen Hieben nicht mehr erholt, dies war auch der direkte Grund, weshalb er - mit seinesgleichen - vom Lager entfernt wurde - was seinen Tod herbeiführte. (...)
Neben dem Männerlager war auch ein Frauenlager, das vom Männerlager durch einen Drahtzaun abgesondert war. Die Frauenhäftlinge waren Jüdinnen. Wir konnten hie und da durch den Drahtzaun mit den Frauen sprechen. (In) unserem Evakuierungszug fuhren auch Frauenhäftlinge mit. (...) Die Frauenhäftlinge wurde auch auf der Fahrt ärger behandelt. In der Stunde der Befreiung hatten die befreiten Frauen ihre Aufseherinnen verprügelt (...).” 1)
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1) Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 51
