Adolf Maislinger

Häftling im KZ-Außenlager Dachau-Allach

„Ende Juli/Anfang August 1934 wurde ich von der deutschen Polizei an der deutsch-schweizerischen Grenze kurz vor meinem illegalen Grenzübertritt festgenommen. Nachdem ich vorübergehend in verschiedenen Gefängnissen inhaftiert war, kam ich nach München zurück. Dort befand ich mich etwa ein Jahr in Untersuchungshaft, bevor ich nach Berlin verschubt wurde. Vom Volksgerichtshof - III. Strafsenat - wurde ich wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese Strafe verbüßte ich in Amberg. Nach Verbüssung meiner Zuchthausstrafe wurde ich am 6. oder 7. Oktober 1942 in das KL Dachau eingeliefert. Dort befand ich mich mit einer Unterbrechung - auf die noch eingegangen wird - bis Kriegsende in Haft. Im Schutzhaftlager Dachau war ich im Revier untergebracht. Ich führte dort das Desinfektionskommando, das Anfangs etwa acht Mann und kurz vor Ende des Krieges etwa 150 Mann stark war. Ich hatte die Häftlingsnummer 37184. Im Lager trug ich einen roten Winkel. Vom 20. oder 25. August 1944 bis 10.1.1945 befand ich mich im Außenlager Allach. Auch dort führte ich das Desinfektionskommando, das meiner Erinnerung nach eine Stärke von fünf Mann hatte. Dabei handelte es sich vorwiegend bzw. ausschließlich um Ausländer.

Die Desinfektion war im Außenlager Allach in einem Lagerblock untergebracht. An den SS-Angehörigen, welcher Kommandoführer war, kann ich mich namentlich nicht mehr erinnern. Es handelte sich um einen ganz jungen SS-Scharführer. Lagerführer war Jarolin. An weitere SS-Angehörige kann ich mich nicht mehr erinnern. Lagerältester war zu meiner Zeit Karl Lorenz 2) . Auf der mir vorgelegten Lichtbildtafel erkenne ich keine der abgebildeten Personen. Der Beschuldigte Sebastian Eberl ist mir nur noch namentlich in Erinnerung. Vom Lager Dachau her dürfte er mir nicht bekannt sein. Ich nehme an, daß ich ihn kurze Zeit im Außenlager Allach gesehen habe. Welche Funktion dieser bekleidete, entzieht sich meiner Kenntnis. Vom Hörensagen ist mir noch in Erinnerung, daß er zur Lagerführung gehörte.

Während meiner Inhaftierung im Außenlager Allach sind mir noch nachfolgend aufgeführte Exekutionen in Erinnerung: Einige Tage nach meinem Eintreffen im Außenlager Allach wurde ein etwa 19-jähriger russischer Häftling angeblich wegen Sabotage auf dem Appellplatz bzw. in der Nähe des Bades erhängt. Vom Hörensagen ist mir noch bekannt, daß ein Todesurteil aus Berlin vorlag. Das Exekutionskommando, das aus Dachau kam, führte der Rapportführer Böttcher 1) an. Einige Wochen nach dieser Exekution wurden zwei Polen am gleichen Platz erhängt. Gesprächsweise wurde bekannt, daß auch diese Sabotage verübt haben sollen. Bei den aufgeführten beiden Exekutionen mussten alle verfügbaren Häftlinge und SS-Angehörigen in U-Form antreten. Die Exekutionen fanden meines Wissens im Laufe des Vormittags, etwa zwischen 10.00 und 11.00 Uhr statt. Auf dem erwähnten Exekutionsplatz befand sich eine Vorrichtung, in welcher der Galgen gesteckt wurde. Der kriminelle Häftling mit dem Vornamen ‚Jonny‘ musste den Galgen herbeischaffen. Vom Hauptlager Dachau kam dann ein LKW mit mehreren SS-Offizieren und einem Arzt, um die Exekutionen im Außenlager Allach durchzuführen.

Auf dem LKW befanden sich die Särge der jeweiligen Delinquenten und zugleich auch die zum Tode verurteilten Häftlinge, die vorübergehend im Arrest in Dachau untergebracht waren. Hinter den in U-Form angetretenen Häftlingen stand eine Kette von SS-Angehörigen, die mit Maschinenpistolen ausgerüstet waren und zum Teil Hunde bei sich hatten. Die von mir gefertigte Skizze des Außenlagers Allach ist ziemlich richtig.“ 2) 
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1) SS-Rapportführer Franz Böttger, * 11.7.1888, SS-Oberscharführer, Deutscher. Zeit: von November 1944 bis 30. April 1945 im O.T.-Lager Allach-Karlsfeld, verurteilt im 1. Dachauer Prozess, hingerichtet in Landsberg. USA v. Martin Gottfried Weiss et al. Martin Weiss,
2) Adolf Maislinger, * 9.12.1903, StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 95 ff., Im Akt ein Bleistiftskizze.

 

 

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