Jüdische Häftlinge standen innerhalb der nationalsozialistischen Rassenideologie auf der untersten Stufe. Dies erklärt auch die unterschiedliche „medizinische Versorgung“ und wird innerhalb des KZ-Systems in der baulichen, räumlichen und personellen Ausstattung des Revierblocks sichtbar. Obwohl direkt nebeneinander gelegen, waren O.T.-Lager als Judenlager und SS-Arbeitslager organisatorisch eigene Lebensbereiche, mit eigener Küche, Wirtschafts- und Revierbaracke. Der Krankerevierbau des O.T.-Lager wurde als letztes Gebäude im KZ-außenlagerkomplex im November 1944 fertiggestellt.
Schon der Grundriss der Revierbaracke des Judenlagers unterschied sich deutlich vom Krankenrevier des benachbarten KZ-Außenlagers. Für die Juden stand lediglich ein durchgehender Krankensaal, ein Arzt- und Pflegeraum sowie ein Waschraum, ein Bad und sechs Toiletten zur Verfügung. 1) Es sollten nur leicht Verletzte oder Kranke versorgt werden. Schwerkranke wurden in das Krankenrevier des KZ Dachau zurücktransportiert. 2) Berichten zufolge sind von dort nur wenige Häftlinge in das O.T.-Lager zurückgekehrt. Ärzte des jüdischen Krankenreviers waren u.a. Dr. Molnar, Dr. Sander und Dr. Egger aus Timisora sowie ein Pfleger. Revierkapo - wenn auch nur für kurze Zeit - war Friedrich Pillwein. 3)
Die Revierbaracke wurde im November 1944 fertiggestellt. Davor wurden kranke jüdische Häftlinge in Dachau behandelt. Drei der von Häftlingen im Lager geschilderte Selektionen dienten dazu, nicht mehr „Arbeits- und Einsatzfähige“ auszusondern, um sie in Auschwitz oder Hartheim zu töten.
Jarolin „pflegte ins Krankenrevier hineinzugehen und unbarmherzig die Ärzte und das Sanitätspersonal zu schlagen, weil sie seiner Meinung nach die Kranken zu gut behandelten.“ 4)
Weiter wird berichtet, dass selbst bei Leichtverletzten im O.T.-Lager von einer medizinischen Versorgung nicht die Rede sein konnte. Im letzten Kriegsmonat 1945, als die Toten in Dachau nicht mehr verbrannt werden konnten, weil die Kapazitäten der Verbrennungsöfen wegen Brennmaterialmangel nicht mehr ausreichten, wurden die toten jüdischen Häftlinge hinter dem Krankenrevierbau gelagert und auf dem Lagergelände in mehreren Massengräbern verscharrt.
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1) Planausschnitt, Vgl. StaA München, BAUR-TB-Abg-64-2-09-001.
2) Vgl. Alexander Speiser, BArch B 162/16124, Blatt 20.
3) Friedrich Pillwein‚ StaA München, Staatsanwaltschaften, 34814/1, Blatt 38 f. und Blatt 216 f, 34706, Blatt 212 f.
4) Ebd.
