Klaus Mai

URL: kz-dachau-allach.de/?Haftkategorien

Politische Häftlinge
Winkelfarbe: rot. Mögliche Abkürzungen: Pol. oder Sch (für Schutzhaft), auch zu Sch. pol kombiniert

„Berufsverbrecher“
Winkelfarbe: grün. Mögliche Abkürzungen: BV/B.V. (für Berufsverbrecher) sowie P.V.H (für polizeiliche Vorbeugehaft) oder PH (für Polizeihaft) oder PSV (für polizeiliche Sicherheitsverwahrung)

Emigranten
Winkelfarbe: blau. Mögliche Abkürzungen: Em. Gemeint sind deutsche Staatsbürger, die nach 1933 zunächst das Land verlassen hatten, aber dann zurückgekehrt waren und daher unter Spionageverdacht standen

Zeugen Jehovas („Bibelforscher“)
Winkelfarbe: lila. Mögliche Abkürzungen: Bifo (für Bibelforscher) oder IBV (für Internationale Bibelforschervereinigung)

Homosexuelle Häftlinge
Winkelfarbe: rosa. Mögliche Abkürzungen: § 175, § 175er, Homo

„Asoziale“
Winkelfarbe: schwarz. Abkürzungen: Aso/ASO, ASR; abgeleitet von der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ Ϳ, AZ, AZG und AZR (für Arbeitszwang, Arbeitszwang Gemeinde und Arbeitszwang Reich) sowie P.V.H (für polizeiliche Vorbeugehaft), PH (für Polizeihaft) und VH (für Vorbeugehaft), SV für Schwerverbrecher, BV für Berufsverbrecher.

Juden und Jüdinnen
bildeten in den Konzentrationslagern eine klar erkennbare Gruppe. Für sie existierte keine „eigene“ Haftkategorie. Sie waren formal immer einer der obengenannten Häftlingskategorien zugeordnet. In den KZ mussten sie einen gelben Winkel unter dem jeweils andersfarbigen Winkel tragen, sodass ihre Markierung wie ein „Judenstern“ aussah. Auch für Zigeuner existierte keine „eigene“ Haftkategorie. Sie waren formal immer einer der oben genannten Häftlingskategorie zugeordnet. Auf den Schreibstubenkarten und Häftlings-Peronalkarten von Dachau und dem Außenlager Allach war bei den Juden hinter dem Kürzel „Sch“ für Schutzhaft ein „J“, für Zigeuner die Bezeichnung „Sch Z“ oder „Sch Zig“ eingetragen.

SAW (Sonderaktion Wehrmacht)
1941 eingeführte Haftkategorie für Wehrmachtsangehörige, die „Wehrmachtssabotage“ begangen hatten und diszipinarrechtlich nach dem geltenden Wehrstraf- und Kriegsrecht in Konzentrationslager eingewiesen wurden. Sie galten als „Wehrunwürdig“ und mussten Zivilkleidung oder den Zebraanzug tragen. Winkelfarbe: rot, Winkelspitze nach oben. Nach NS-Auffassung bestand dieser Personenkreis aus „... Gemeinschaftszersetzende[n] (asoziale[n]) unverbesserliche[n] Schädlinge[n], die sich allen Erziehungsversuchen beharrlich widersetzt haben“. [Sie wurden von ihren Kommandeuren] .. aus dem Prüfungslager [Straflager der Wehrmacht, Luftwaffe oder Marine] in Polizeigewahrsamslager [gemeint sind Konzentrationslager] überwiesen. Dazu gehörten u.a. auch Fahnenflüchtige, deren Strafvollzug erst nach Kriegsende („Endsieg“) durch geführt werden sollte.

NN-Häftlinge (Nacht- und Nebelhäftlinge)
Holländer, Belgier, Luxemburger, Franzosen, Norweger, u.a. Wörtlich: „Täter, die nach Deutschland gebracht werden, sind dort dem Kriegsgerichtsverfahren nur unterworfen, wenn besondere militärische Belange es fordern. Deutschen und ausländischen Dienststellen ist auf Fragen nach solchen Tätern zu erklären, sie seien festgenommern worden, der Stand des Verfahrens erlaube keine weiteren Mitteilungen.“ Sie hatten keine Brieferlaubnis. Winkelfarbe: rot. Niemand der Angehörigen durfte wissen, ob die betreffende Person noch lebt und wo sie sich befindet.

Die Kennzeichnung war über die Jahre nicht immer einheitlich, sondern variierte z.T. innerhalb der einzelnen Lager und Außenlager. Zusätzlich gab es Lager der Kategorien I, Ia, II und III. Dachau gehörte zur Kategorie I, Mauthausen zur Kategorie III.

Im BMW-Außenlager Allach hatten KZ-Häftlinge keine „Stoffwinkel“ sondern eine Blechmarke mit eingestanzter Häftlingsnummer an ihrer Kleidung. Dabei stand das Rot für "politisch". Die auf der hier links daneben abgebildeten rot angemalten Marke erkennbare Stanzung SL steht für die Nationalität Slowene. Diese Kennzeichnung wurde von den Häftlingen selbst eingestanzt. Es war der Luxemburger Häftling Nicolaus Hofmann, der nach eigener Aussage als erster eine Kennung LUX bei BMW einstanzte. FR stand für Franzose, usw. Diese Marken waren auf der Häftlingskleidung an den drei Ösen an der linken Brustseite angenähnt. Mit der Häftlingsnummer konnte der Häftling klar identifiziert werden. Beim Appell wurden die Häftlinge immer mit der Nummer, nie mit Namen aufgerufen. Beim Rapport musste er sich immer mit: "Häftling Nummer 62172 ..." melden. Jüdische Häftlinge aus dem O.T.-Lager trugen ebenfalls eine rote Blechmarke mit Nummer und einem gelben Streifen über dem roten Dreieck.